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RAF-Terroristin ergreift vor Gericht selbst das Wort: Daniela Klette äußert sich

RAF-Terroristin nutzt Bühne: Daniela Klette meldet sich im Gericht selbst zu Wort

Über eine Stunde lang präsentiert Daniela Klette ihre Perspektive auf die Vorwürfe gegen sie. Der ehemaligen RAF-Terroristin werden mehrere Raubüberfälle vorgeworfen. Sie bringt ihr Bedauern zum Ausdruck, dass einige Opfer bis heute unter den Folgen leiden, verteidigt jedoch weiterhin ihre Taten.

Dass Angeklagte eigenständig vor Gericht sprechen, ist eher selten – Daniela Klette nutzt diese Möglichkeit. Im Prozess am Landgericht Verden wegen schweren Raubes und Verstößen gegen das Waffengesetz nutzt die 67-Jährige den Gerichtssaal als Plattform. Sie erläutert ausführlich ihre Sicht auf die Anschuldigungen, die politische Lage und die Notwendigkeit ihres früheren Lebens im Untergrund. Nur durch die Illegalität hätten sie und andere als radikale Linke überleben können, so ihre Aussage.

Dabei wird deutlich, dass sie sich selbst als Opfer des politischen Systems betrachtet. Auch die rund 40 Unterstützer im Zuschauerraum scheinen den Gerichtssaal als Bühne zu begreifen – sie applaudieren und jubeln nach ihrem Schlusswort sogar noch intensiver als bei ihrer Begrüßung.

Die in Berlin festgenommene Deutsche steht seit März 2025 in Niedersachsen vor Gericht. Der Anklage zufolge soll Klette gemeinsam mit ihren mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub zwischen 1999 und 2016 maskiert und teilweise schwer bewaffnet Geldtransporter und Supermärkte überfallen haben. Ermittlungen zufolge erbeutete das Trio mehr als 2,7 Millionen Euro, um ihr Leben im Untergrund zu finanzieren.

Im Verlauf des Prozesses wurde entschieden, dass fünf Raubüberfälle nicht weiter verfolgt werden. Somit geht es letztlich um acht Überfälle in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, bei denen insgesamt mehr als zwei Millionen Euro erbeutet wurden. Die Staatsanwaltschaft fordert für die Angeklagte eine 15-jährige Haftstrafe wegen versuchten Mordes, schweren bandenmäßigen Raubes und Verstößen gegen das Waffengesetz.

Opfer leiden bis heute unter Traumata

Den ersten Plädoyer an diesem Verhandlungstag hält ein Opferanwalt. Das Trio habe eine Serie bewaffneter Überfälle verübt, so der Jurist. Die Folgen für die Betroffenen seien der Angeklagten offensichtlich gleichgültig gewesen. Er betont, dass mehr als 20 Menschen direkt von den Raubüberfällen betroffen und teilweise bis heute traumatisiert sind. Sein Mandant ist bis heute arbeitsunfähig und es gehe ihm „sehr schlecht“.

Der Anwalt vertritt einen Mann, der am 6. Juni 2015 als Fahrer eines Geldtransporters mit rund einer Million Euro unterwegs war. In Stuhr bei Bremen versuchten drei Bewaffnete, an das Geld zu gelangen. Es fielen Schüsse, der Fahrer hatte Todesangst. „Er musste miterleben, wie von außen in den Innenraum des Transporters geschossen wurde“, sagt der Rechtsanwalt in seinem Plädoyer. Als Nebenkläger fordert er für diese Tat elf Jahre Haft wegen versuchten schweren Raubes. Anders als die Staatsanwaltschaft stuft der Opferanwalt die Tat nicht als versuchten Mord ein, was auch mit der Einschätzung des Gerichts übereinstimmt.

Mehrfach richtet der Anwalt seine Worte direkt an die Angeklagte und wirft ihr vor, das Verfahren politisch zu instrumentalisieren. Es gehe hier nicht um ihre RAF-Vergangenheit, sondern um gewaltsame Raubüberfälle. Er vermisse Reue, Einsicht und Mitgefühl für die Opfer. Das Motiv sei eindeutig: die Finanzierung des Lebens im Untergrund. Dabei habe das Trio großes Leid verursacht. Dennoch empfinde er fast Mitleid mit der Angeklagten, da sie gefangen in ihrer eigenen Welt wirke.

Politische Kritik und Rechtfertigung

Als Daniela Klette anschließend spricht, bestätigt sie einige Aussagen des Opferanwalts. Sie nutzt die Gelegenheit für einen politischen Rundumschlag und kritisiert den Kapitalismus als Ursache vieler Probleme. „Ein Systemwechsel ist dringend notwendig“, erklärt sie. Sie wirft dem Staat Unterdrückung vor und fordert die Abschaffung von Gefängnissen. „Wirkliche Freiheit gibt es erst, wenn alle frei sind.“

Eine direkte Beteiligung an den ihr vorgeworfenen Taten gesteht sie nicht ein. Dennoch verteidigt sie die Überfälle als notwendig, um das Leben im Untergrund zu sichern. Die Taten seien nicht aus „Abenteuerlust“ erfolgt, betont sie. Ihr sei „wirklich sehr leid“ und es sei „bedauerlich“, dass einige Opfer noch immer unter den Folgen litten. Sie habe nicht gewusst, dass Geldboten und Kassenpersonal keine ausreichende psychologische Unterstützung von ihren Arbeitgebern erhalten.

Klette sagt, sie habe nicht erwartet, dass die Raubüberfälle bei den Betroffenen schwere psychische Schäden verursachen könnten. Indirekt stellt sie die Frage, ob die psychischen Probleme ausschließlich auf die Überfälle zurückzuführen seien. Es gebe immer mehr traumatisierte Menschen in der Gesellschaft, nennt sie als Gründe Armut, Kriege, Unterdrückung von Minderheiten und Rassismus.

Der Prozess wird an diesem Mittwoch fortgesetzt, wenn die Verteidigung ihr Schlusswort vorträgt.