Über 300.000 Cyberangriffe auf Deutschland: BKA warnt vor vermehrten Attacken aus dem Ausland
Das Bundeskriminalamt warnt vor einer zunehmenden Bedrohung durch Cyberangriffe in Deutschland. Besonders staatliche Akteure setzen dabei verschiedene Methoden ein, um deutsche Ziele gezielt anzugreifen. Der geschätzte wirtschaftliche Schaden beläuft sich auf rund 200 Milliarden Euro.
Deutschland wird vor allem durch staatlich gesteuerte Cyberattacken ins Visier genommen. Als drittgrößte Volkswirtschaft weltweit zählt Deutschland weiterhin zu den Hauptzielen im Cyberraum, so das Bundesinnenministerium. Die Zahl schwerer Cyberdelikte sowie Angriffe auf Unternehmen, Behörden und kritische Infrastrukturen steigt kontinuierlich. Dabei gewinnt der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) zunehmend an Bedeutung.
Verschiedene Angriffsmethoden werden von staatlichen Akteuren genutzt, um deutsche Einrichtungen zu kompromittieren, heißt es im Bundeslagebild Cybercrime des Bundeskriminalamtes. Als zentrales Mitglied der Europäischen Union und der NATO stehe Deutschland besonders im Fokus politisch motivierter Cyberattacken.
Im Jahr 2025 registrierten die deutschen Sicherheitsbehörden etwa 334.000 Cyberangriffe. Rund zwei Drittel der Angriffe (207.888) stammten aus dem Ausland oder von unbekannten Standorten. Aufgrund eines großen Dunkelfelds dürfte die tatsächliche Zahl deutlich höher liegen, betont das Innenministerium. Der geschätzte wirtschaftliche Schaden beläuft sich auf 202,4 Milliarden Euro – das entspricht etwa 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Erweiterte Angriffstechniken durch KI
„Cyberkriminalität stellt eine der größten Herausforderungen für die öffentliche Sicherheit in Deutschland dar“, erklärte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bei der Vorstellung des Bundeslagebilds Cybercrime. „Die Bedrohung im Cyberraum bleibt auf einem konstant hohen Niveau.“ Besonders Ransomware-Angriffe stellen weiterhin ein erhebliches Risiko für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen dar.
Der Einsatz von KI führt zu ausgefeilteren Angriffsmethoden und senkt die Einstiegshürden. „Dadurch können auch Personen ohne technische oder fachliche Vorkenntnisse mithilfe künstlicher Intelligenz schnell die erforderlichen Fähigkeiten erwerben“, erläuterte Dobrindt. KI ermögliche es beispielsweise, Phishing-Webseiten oder -E-Mails deutlich wirkungsvoller zu gestalten.
Die deutschen Sicherheitsbehörden sollen im Kampf gegen Cyberkriminalität weiter gestärkt werden, so Dobrindt. Er kündigte ein Gesetz an, das noch im Mai vom Bundeskabinett verabschiedet werden soll. Dieses Gesetz soll die Grundlage für eine aktive Cyberabwehr schaffen und sicherstellen, dass die vorhandenen technischen Möglichkeiten im Kampf gegen Cyberkriminelle maximal genutzt werden können.