Ölteppich von Ammersee-Größe umgibt iranische Insel Kharg und sorgt für Rätsel
Seit Beginn des Konflikts mit dem Iran greifen US-Streitkräfte militärische Anlagen auf der Insel Kharg an. Diese Insel stellt eine bedeutende Logistikplattform für den Rohöltransport dar. Aktuell sorgt ein Ölteppich in der Umgebung der Insel für Verwirrung.
Satellitenaufnahmen weisen auf einen möglichen Ölteppich mit einer Fläche von rund 45 Quadratkilometern vor der iranischen Insel Kharg im Persischen Golf hin. Die grauweiße Schicht war auf Bildern der europäischen Copernicus-Satelliten vom 6. bis 8. Mai westlich der etwa acht Kilometer langen Insel erkennbar, erläuterten Experten für Umweltschutz. Die Größe der Verschmutzung entspricht ungefähr der des Ammersees, und ihr Erscheinungsbild deutet auf einen Ölteppich hin.
Die genaue Ursache und Herkunft des Ölteppichs sind bislang nicht bekannt. Weder das US-Militär noch die iranische Vertretung bei den Vereinten Nationen in Genf haben sich bisher zu den Satellitenbildern geäußert.
Die Insel Kharg bildet das Herzstück des iranischen Ölexportnetzes und fungiert als zentrale Logistikplattform, auf der Rohöl aus den Ölfeldern im Landesinneren zwischengelagert und auf Tanker verladen wird. Nach Angaben eines Datenanbieters laufen etwa 90 Prozent der iranischen Ölexporte über diesen Standort.
Das US-Militär gab an, seit Ende Februar, dem Beginn des Iran-Konflikts, militärische Ziele auf der Insel angegriffen zu haben. Ob der Ölteppich auf Schäden an der Infrastruktur zurückzuführen ist, bleibt unklar. Es ist auch möglich, dass der Iran das Öl absichtlich ins Meer abgelassen hat, da das Land aufgrund der US-Blockade große Mengen seines Öls nicht mehr exportieren kann, die Produktion auf den Ölfeldern jedoch fortgesetzt wird.
„Das Land verfügt jedoch über alternative Exportwege, darunter das Jask-Terminal, Schiff-zu-Schiff-Transfers sowie ein Netzwerk von Tankern, die unter eingeschränkter Sichtbarkeit operieren“, erklärte Michelle Brouhard, Leiterin für Politik und geopolitische Risiken bei Kpler, einem Anbieter von Marktanalysen. „Dies zeigt, dass trotz der Bedeutung von Kharg der eigentliche strategische Vorteil des Iran in seiner Fähigkeit liegt, die Exporte aufrechtzuerhalten und mit einer umfassenderen Blockade durch die Straße von Hormus zu drohen.“