Nachholtermin nach Schussvorfall: Trump attackiert Medien – „Ohne mich seid ihr pleite“
Donald Trump weiß genau, wie er Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das zeigte der US-Präsident eindrucksvoll beim traditionellen Gala-Dinner der Hauptstadtpresse. Der ursprünglich geplante Termin musste verschoben werden, nachdem er für Schlagzeilen durch einen Schussvorfall sorgte.
In seiner ersten Rede bei der Veranstaltung setzte Trump vor allem auf scharfe Kritik an den Medien. Zwar räumte der Republikaner gelegentlich Anerkennung für die journalistische Arbeit ein, warf den Medien jedoch gleichzeitig vor, „Fake News“ zu verbreiten – also Falschmeldungen zu verbreiten. Zudem betonte er, dass die Medienunternehmen von seiner Präsenz profitieren. In einem Washingtoner Hotel erklärte er vor den versammelten Journalistinnen und Journalisten: „Wenn ich nicht mehr da bin, geht ihr alle pleite.“ Das Geschäftsmodell der US-Medien sei dann am Ende.
Trump führte weiter aus, dass es dann niemanden mehr gäbe, über den es sich zu berichten lohne. „Kein Interesse besteht mehr an anderen Personen“, so seine Einschätzung. Die Presse unterschätze, wie viel Glück sie mit ihm habe, weil er ständig Schlagzeilen liefere, argumentierte Trump und fügte hinzu, dass ihm die Medien sehr wichtig seien.
Für seine oft harsche Medienkritik ist Trump bekannt. Wiederholt hat er versucht, sich mit Klagen gegen kritische Berichterstattung zu wehren – meist ohne Erfolg. Er bezeichnet die Medien gern als „Feinde des Volkes“.
In seiner Rede schweifte Trump häufig ab. Er lobte sich selbst und die Leistungen seines Kabinetts und wechselte zwischen verschiedenen Themen. So sprach er ausführlich über einen geplanten Ballsaal im Weißen Haus und zeigte sich begeistert von den martialischen Käfigkämpfen, die zu seinem 80. Geburtstag im Juni stattfanden. Zwischendurch betonte er, dass der Iran niemals eine Atomwaffe besitzen dürfe.
Dritte Amtszeit im Visier?
Trump setzte sich zudem eine rote Mütze mit der Aufschrift „Trump 2028“ auf. Immer wieder kokettiert der Republikaner damit, dass er ermutigt werde, für eine dritte Amtszeit zu kandidieren – obwohl dies verfassungsrechtlich ausgeschlossen ist. Außerdem äußerte er sich über das Aussehen einiger Journalistinnen im Saal.
Der Gala-Abend fand unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen als Nachholtermin statt: Vor rund drei Monaten konnte Trump seine Rede bei der Veranstaltung nicht halten, da ein bewaffneter Mann eine Sicherheitskontrolle durchbrach. Obwohl der Angreifer den Ballsaal mit Trump nicht erreichte, wurden Schüsse abgegeben, und ein Sicherheitsbeamter wurde verletzt. Trump und weitere Ehrengäste wurden von Leibwächtern in Sicherheit gebracht, das Dinner in einem anderen Hotel wurde abgebrochen.
Damals war es das erste Mal, dass Trump als amtierender US-Präsident an dem Gala-Dinner teilnahm. Zuvor hatte er diese Veranstaltung der White House Correspondents‘ Association stets gemieden.
Jährlich veranstaltet die Organisation der Journalisten, die aus Washington über die US-Regierung berichten, ein Gala-Dinner, bei dem Vertreter des Weißen Hauses und weitere Prominente zu Gast sind. Die Vereinigung der im Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten organisiert das Fest seit über 100 Jahren.
Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen
Für die diesjährige Gala wurden die Sicherheitsvorkehrungen deutlich verschärft. Das zeigte sich unter anderem bei den Einlasskontrollen: Statt einer einfachen Papiereintrittskarte mussten die Journalistinnen und Journalisten neben ihrem Ausweis einen personalisierten QR-Code vorlegen. Vor und im Hotel war eine verstärkte Polizeipräsenz zu beobachten. Um in den Ballsaal zu gelangen, mussten die Gäste erneut eine Sicherheitsschleuse mit Metalldetektoren passieren, vergleichbar mit Flughafenverfahren.
Der mutmaßliche Täter wird unter anderem wegen versuchten Mordes am Präsidenten angeklagt. Zudem lautet der Vorwurf, einen Bundesbeamten mit einer tödlichen Waffe angegriffen zu haben. Im Mai bestritt der Angeklagte vor Gericht über seinen Anwalt die Vorwürfe.
Beim Nachholtermin des Gala-Dinners am Abend wurden neben Journalistinnen und Journalisten auch der Sicherheitsbeamte geehrt, der im April verletzt wurde. Sein beherztes Eingreifen habe entscheidend dazu beigetragen, dass der Angreifer nicht weiter vordringen konnte, teilte die scheidende Vorsitzende der Journalistenvereinigung, Weijia Jiang, bereits im Vorfeld mit.