Marode Infrastruktur: Verkehrsminister Schnieder warnt vor weiteren Brückensperrungen
Rund 8000 Brücken in Deutschland sind dringend sanierungsbedürftig. Nach einer Sicherheitsprüfung musste im vergangenen Jahr eine Berliner Autobahnbrücke innerhalb weniger Tage unvermittelt gesperrt werden – im Juni ereignete sich ein ähnlicher Vorfall in Bonn. Für Verkehrsminister Patrick Schnieder sind diese Situationen keine Einzelfälle mehr.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sieht angesichts maroder Brücken in Deutschland die Möglichkeit weiterer überraschender Sperrungen. Der CDU-Politiker erklärte im Zusammenhang mit einer Bonner Brücke: „Das Teilbauwerk, das wir nun abreißen müssen, hat sich innerhalb weniger Wochen dramatisch verschlechtert. Solche Entwicklungen können jederzeit erneut auftreten. Deshalb werden die Brücken umfassend überwacht und entsprechende Maßnahmen eingeleitet.“
Immer wieder rufen Sperrungen maroder Brücken öffentliche Aufmerksamkeit hervor. Anfang Juni wurde die vielbefahrene Autobahnbrücke über den Rhein in Bonn nach neu entdeckten Schäden bis auf Weiteres für den Verkehr gesperrt. Dabei wurden unter anderem Risse im Beton sowie Korrosionsschäden am Betonstahl festgestellt. Die Bonner Nordbrücke, Teil der Autobahn 565, ist die wichtigste Ost-West-Verbindung in der Region. Mittlerweile wurde der Abriss der Vorlandbrücke, die auf der linken Rheinseite zur Nordbrücke führt, angekündigt. Ein Neubau ist geplant.
„Wir überprüfen die Brücken seit einiger Zeit deutlich intensiver, sonst wären diese Schäden vielleicht nicht so schnell erkannt worden“, erläuterte der Minister. „Die Brücken stehen im Fokus meines Ministeriums und der Autobahn GmbH, da sie für uns von großer Bedeutung sind und ein Ausfall gravierende Folgen für die betroffenen Regionen hätte.“
Ein ähnliches Bild zeigte sich im vergangenen Jahr im Berliner Westen, als die sogenannte Ringbahnbrücke aufgrund sich ausbreitender Risse im Tragwerk kurzfristig gesperrt wurde. Die Brücke ist Teil des Autobahndreiecks Funkturm, einem der meistbefahrenen Verkehrsknotenpunkte Deutschlands. Die kurzfristige Sperrung führte zu wochenlangem Verkehrschaos im angrenzenden Bezirk. Auch diese Brücke wurde abgerissen und wird aktuell neu errichtet. Die Fertigstellung des Neubaus ist für das kommende Jahr geplant.
Langfristig müssen laut Schnieder etwa 8000 Brücken saniert oder neu gebaut werden. Bis 2032 sind rund 4000 Brücken beziehungsweise Brückenteilbauwerke im Kernnetz der Autobahnen zu erneuern. „Wir sind bei dieser Aufgabe gut vorangekommen. Zwar heißt es, wir müssten jährlich 400 Brücken angehen“, erläuterte der Minister. Entscheidend sei jedoch die zu sanierende Brückenfläche: „Bei den 4000 Brücken entspricht das etwa 450 Fußballfeldern. Bis Ende Juni 2026 haben wir knapp 190 davon geschafft. Wir liegen also gut im Plan, da wir zunächst die großen und wichtigen Brücken angehen. Nun kommen weitere Brücken hinzu, deren Sanierungsbedarf vorher nicht absehbar war, wie die Bonner Nordbrücke, deren Lebensdauer ursprünglich bis Mitte der 30er Jahre prognostiziert war.“
In seiner Sitzung am 10. Juli forderte der Bundesrat in einer Entschließung Konsequenzen aus dem Fall der Bonner Brücke. Er zeigte sich besorgt über die zunehmende Häufigkeit von Brückensperrungen in kurzen Abständen. Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität soll verstärkt für zusätzliche Maßnahmen zum Erhalt und Ersatz von Infrastruktur eingesetzt werden. Aus diesem schuldenfinanzierten Sondervermögen wird auch die Brückenerhaltung finanziert. Für das Jahr 2027 sind laut Haushaltsentwurf der Bundesregierung rund 2,8 Milliarden Euro dafür vorgesehen.