Ukraine in Aufruhr: Fedorow verliert Verteidigungsministerium
Bis zuletzt hatten die Unterstützer von Mychajlo Fedorow gehofft, dass die Gerüchte sich nicht bewahrheiten würden. Nun steht jedoch fest, dass er das Amt des Verteidigungsministers nicht länger ausüben wird. In sozialen Netzwerken ist die Enttäuschung darüber spürbar.
Der junge Hoffnungsträger der ukrainischen Regierung, Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow, wurde seines Amtes enthoben. Die Abgeordnete Olga Vasilevska-Smaglyuk von der Selenskyj-Partei „Diener des Volkes“ verkündete auf Telegram, dass Fedorow durch den bisherigen Innenminister Ihor Klymenko ersetzt wird. Über diesen Personalwechsel wurde bereits in den letzten Tagen spekuliert. Für Fedorow gab es viel Unterstützung und Solidarität.
Der 35-Jährige hatte insbesondere die ukrainischen Drohnenfähigkeiten maßgeblich vorangebracht und genoss dafür hohes Ansehen. Kritik erhielt er hingegen wegen mangelnder Fortschritte bei der Mobilisierung. Erst Anfang Januar hatte er sein Amt angetreten. Dass er seine Arbeit nun nicht weiterführen kann, dürfte in den kommenden Tagen für deutliche Diskussionen sorgen.
Auf Telegram äußerte Fedorow: „Es war mir eine große Ehre, dem ukrainischen Volk als Verteidigungsminister zu dienen.“ Er veröffentlichte eine ausführliche Liste seiner Erfolge während seiner Amtszeit, darunter die Abschaltung des Starlink-Systems für Russland. Die Liste der unerreichten Ziele ist deutlich kürzer. So bemängelte er zum Beispiel, dass die organisatorische Umstrukturierung des Verteidigungsministeriums nach NATO-Standards und unter Berücksichtigung „gesunden Menschenverstands“ nicht gelungen sei.
„Ich werde meine Arbeit fortsetzen, um die Mission zu erfüllen, mit der ich ins Verteidigungsministerium gekommen bin – den Feind durch asymmetrische Strategien, Innovationskraft und organisatorische Stärke zu besiegen. Fortsetzung folgt“, schrieb Fedorow.
Berichte über interne Konflikte
Der ukrainische Journalist und Autor Illia Ponomarenko schrieb auf X: „Ich fürchte, Mychajlo Fedorow war womöglich die letzte hochrangige zivile Führungspersönlichkeit, die bereit war, sich mit dem Verteidigungsministerium anzulegen, grundlegende Reformen umzusetzen und einen unerbittlichen Kampf gegen Ineffizienz und Korruption zu führen – zumindest vorerst.“
Das ukrainische Medium Ukrainska Prawda berichtete von einem systemischen Konflikt zwischen Fedorow und verschiedenen Gruppierungen, die sich im Laufe des Krieges rund um den Verteidigungshaushalt gebildet hatten. Dazu zählen Clans von Generälen unter dem Oberbefehlshaber sowie kommerzielle Gruppen, die durch einige Abgeordnete und Personen aus Ministeriumsumfeldern vertreten werden.
Das ukrainische Parlament stimmte am Dienstag dem Rücktritt von Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko und damit der gesamten Regierung zu. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor eine Umbildung der Regierung eingeleitet. Laut Vasilevska-Smaglyuk werden auch weitere Ministerposten, darunter das Justizministerium, neu besetzt.