Ist die Straße von Hormus passierbar?: Fast alle Crewmitglieder nach Frachterangriff gerettet
Die USA machen den Iran für den Angriff auf ein Handelsschiff vor der omanischen Küste verantwortlich. Die positive Nachricht: Fast alle Crewmitglieder konnten geborgen werden. Die negative Nachricht: Ob die Straße von Hormus weiterhin befahrbar ist, bleibt unklar.
Nach dem Angriff auf einen Frachter vor der Küste Omans wurden laut Behördenangaben 23 Besatzungsmitglieder gerettet. Die omanische maritime Sicherheitsbehörde teilte mit, dass ein Crewmitglied noch vermisst wird. Die Geretteten erhielten medizinische Versorgung, erklärte die Behörde. Die Suche nach dem Vermissten läuft weiterhin. Der unter zyprischer Flagge fahrende Frachter „GFS Galaxy“ hatte vor der Küste der Provinz Musandam einen Notruf abgesetzt.
Das indische Außenministerium bestätigte, dass zehn von elf indischen Besatzungsmitgliedern gerettet wurden. Das vermisste Crewmitglied besitzt ebenfalls die indische Staatsbürgerschaft. Neu-Delhi verurteilte die Angriffe auf Handelsschiffe in der Region als „zutiefst besorgniserregend“ und forderte eine schnelle Wiederherstellung der freien Schifffahrt auf den internationalen Gewässern.
Das US-Regionalkommando Centcom gab dem Iran die Schuld für den Angriff. Durch das Feuer und die Schäden im Maschinenraum wurde das Schiff manövrierunfähig. Nach Angaben der britischen Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) verließ die Besatzung das Schiff und setzte sich in ein Rettungsboot.
US-Militär widerspricht Teheran
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, zwei Schiffe in der Straße von Hormus beschossen zu haben, nannten jedoch keine Details. Den Angriff auf das erste Schiff rechtfertigten sie damit, dass es eine „nicht genehmigte Route“ befahren habe. Nach erneuten US-Angriffen griff Teheran außerdem Ziele in mehreren Golfstaaten an und verkündete die Schließung der für den weltweiten Öl- und Gastransport wichtigen Straße von Hormus.
Die US-Streitkräfte wiesen diese Behauptungen zurück und erklärten, dass der Schiffsverkehr durch die Meerenge weiterhin fließe. „Der Iran kontrolliert die Meerenge nicht. Der Verkehr läuft“, teilte das zuständige US-Regionalkommando Centcom über X mit. Die Straße von Hormus sei „für alle Schiffe offen, die legal diese internationale Schifffahrtsroute nutzen wollen“, hieß es weiter. Die US-Armee sei bereit, sicherzustellen, dass dies so bleibe.
Mohsen Resai, Militärberater des obersten iranischen Führers Modschtaba Chamenei, betonte die strategische Bedeutung der Meerenge für den Iran. Die Straße von Hormus sei „wichtiger als zahlreiche Atombomben, und die Islamische Republik Iran wird sie schützen“, sagte Resai laut der iranischen Nachrichtenagentur Isna. Die weitgehende Blockade der Meerenge seit Kriegsbeginn hatte die globalen Energiepreise stark ansteigen lassen.
Die jüngste Eskalation gefährdet das am 17. Juni zwischen Washington und Teheran vereinbarte Rahmenabkommen, das auch eine Waffenruhe vorsieht. Beide Seiten hatten sich darin 60 Tage Zeit gegeben, um den seit Ende Februar andauernden Krieg dauerhaft zu beenden.