Audimax » Politik » Marschflugkörper schließen Verteidigungslücke: Deutschlands Tomahawk-Kauf ein starker Deal für Trump

Marschflugkörper schließen Verteidigungslücke: Deutschlands Tomahawk-Kauf ein starker Deal für Trump

Marschflugkörper schließen Lücke: Deutschlands Tomahawk-Kauf ist ein exzellenter Deal für Trump

US-Präsident Trump fordert nachdrücklich, dass die Europäer ihre eigene Sicherheit selbst finanzieren. Am Beispiel des deutschen Kaufs von Tomahawk-Marschflugkörpern wird deutlich, was dies konkret bedeutet. Die Beschaffung dieser Waffen schließt eine bestehende Lücke – zumindest bis Europa endlich eigenständig handelt.

Der Begriff Tomahawk bezeichnet ursprünglich eine leichte Streitaxt der nordamerikanischen Ureinwohner, die schnell und präzise ihr Ziel trifft. Möglicherweise ist dies der Grund, warum die gleichnamigen Marschflugkörper, die Deutschland jetzt aus den USA bezieht, so benannt wurden. Die BGM-109 Tomahawk ist eine Cruise Missile mit hoher Geschwindigkeit, großer Reichweite und erheblicher Sprengkraft. Anders als ballistische Raketen fliegt sie in niedriger Höhe und wird präzise zum Ziel gelenkt.

Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte in seiner Regierungserklärung im Bundestag: „Am Rande des Nato-Gipfels in Ankara haben wir mit der US-Regierung vereinbart, amerikanische Tomahawk-Raketen zu erwerben und in Deutschland zu stationieren.“ Damit werde eine „wichtige strategische Lücke in unserer Verteidigung“ geschlossen, fügte er hinzu. Parallel dazu werden eigene europäische Systeme entwickelt. Die genaue Anzahl der zu beschaffenden Marschflugkörper bleibt geheim. Aus Regierungskreisen wurde lediglich bekannt, dass keine US-Soldaten für die Bedienung entsandt werden.

Mit dem Kauf wird eine langwierige Unklarheit beendet – und er erweist sich als vorteilhafter Deal für die USA unter Präsident Donald Trump. Ursprünglich hatten die USA unter Präsident Joe Biden für 2024 angekündigt, selbst Tomahawk-Raketen in Deutschland zu stationieren sowie SM-6-Raketen und Hyperschallwaffen. Trump widerrief diese Zusage im Mai letzten Jahres und kündigte gleichzeitig den Abzug von 5000 US-Soldatinnen und -Soldaten aus Deutschland an.

Europäische Verantwortung für Sicherheit

Tomahawk-Raketen sind in erster Linie Angriffswaffen. Sie sind mit konventionellem Sprengstoff bestückt, verfügen aber auch über atomare Fähigkeiten. Seit 1983 setzen die USA sie in Konflikten wie in Afghanistan, Irak und zuletzt gegen den Iran ein. Hauptsächlich werden sie von Kriegsschiffen (RGM-109) oder U-Booten (UGM-109) abgefeuert. Ein Abschuss vom Boden ist ebenfalls möglich – hierfür beschafft Deutschland mehrere mobile Raketenstartrampen des Typs Typhon.

Innerhalb der Nato dienen die Tomahawks jedoch vor allem der Abschreckung. Die Marschflugkörper sollen potenzielle Angreifer durch die Androhung eines schnellen, präzisen Gegenschlags auf militärische oder infrastrukturelle Ziele von einem Erstschlag abhalten. Militärisch spricht man von „Deterrence by Punishment“ (Abschreckung durch Bestrafung), welche das Prinzip der „Deterrence by Denial“ (Abschreckung durch Abwehr) ergänzt.

Bereits 2024 betonte das deutsche Verteidigungsministerium im Anschluss an die Stationierungszusage aus den USA, dass sich die Abschreckung insbesondere gegen Russland richtet. Dabei wurde auf die Stationierung nuklearfähiger Iskander-Raketen und Hyperschallwaffen des Typs Kinschal in der russischen Exklave Kaliningrad verwiesen, die nur etwa 500 Kilometer von Berlin entfernt liegt. Zuvor hatte Russland neue Mittelstreckenraketen eingeführt, was Nato und USA als Vertragsbruch des INF-Abkommens aus den 1980er Jahren werteten, das solche Systeme verbietet.

Tomahawks schließen strategische Lücke

Mit einer Reichweite von bis zu 2500 Kilometern könnten Tomahawks von Deutschland aus tief ins russische Hinterland vordringen. Zum Vergleich: Die Entfernung von Berlin nach Moskau beträgt rund 1600 Kilometer. Sie ergänzen damit die Marschflugkörper Taurus, die gemeinsam von Deutschland und Schweden produziert werden. Diese verfügen über eine Reichweite von 500 Kilometern, werden jedoch ausschließlich von Kampfjets abgefeuert.

Die Tomahawks wiegen 1,5 Tonnen und können Sprengköpfe mit bis zu 450 Kilogramm transportieren, womit auch stark befestigte militärische Ziele zerstört werden können. Der entscheidende Vorteil liegt in der Kombination aus hoher Geschwindigkeit und niedriger Flughöhe. Die Marschflugkörper erreichen Geschwindigkeiten bis zu 880 Kilometern pro Stunde und fliegen nur wenige Dutzend Meter über dem Boden, was ihre Ortung und Bekämpfung erschwert.

Warum bezieht die Bundesregierung diese Waffen aus den USA? Ganz einfach: Weder Deutschland noch andere europäische Nato-Partner besitzen derzeit vergleichbare Systeme. Die Tomahawks schließen somit eine Fähigkeitslücke der Bundeswehr. Allerdings sind sie nur als Übergangslösung vorgesehen, denn Europa plant die Entwicklung eigener Mittelstreckenraketen.

Im Jahr 2024 wurde als Ergänzung zur Tomahawk-Stationierung das Projekt Elsa ins Leben gerufen, das für „European Long-Range Strike Approach“ (Europäischer Ansatz für Langstreckenangriffe) steht. Beteiligte Länder sind Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweden, Polen, Italien und die Niederlande. Seitdem gab es jedoch nur geringe Fortschritte.

Fortschritte bei europäischen Rüstungsvorhaben

Dennoch gibt es Grund zur Zuversicht: „Drei Entwicklungen im Bereich Marschflugkörper innerhalb kurzer Zeit geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus für die Zukunft der europäischen Fernkampffähigkeiten“, schrieb der Experte Fabian Hoffmann im Mai. Er verweist auf geplante Waffen des niederländischen Herstellers Destinus, des europäischen Rüstungskonzerns MBDA sowie des norwegischen Unternehmens Kongsberg. Das MBDA-Projekt kommt den Tomahawks dabei am nächsten.

Darüber hinaus nennt Hoffmann den deutsch-britischen Plan zur Entwicklung eines Hyperschall-Marschflugkörpers mit einer Reichweite von 2000 Kilometern. Frankreich hat bereits Interesse an einer Beteiligung signalisiert. Gemeinsam ist allen Projekten jedoch, dass die Einsatzbereitschaft noch viele Jahre auf sich warten lassen wird. Auch wenn europäische Staaten auf dem Nato-Gipfel in Ankara beteuerten, mit Nachdruck die Entwicklung entsprechender Fähigkeiten voranzutreiben, bleiben bis dahin nur die Tomahawks. Für diese hat Deutschland mit Trump einen wichtigen Vertrag geschlossen.