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Revolution oder Untergang? 250 Jahre USA: Freiheit im Amerika unter Trump

"Revolution" oder "Begräbnis"?: 250 Jahre USA: Was bedeutet Freiheit in Trumps Amerika?

Im Ursprungsort der US-Demokratie liegen wütende Proteste und die Unterstützung für Donald Trump am Unabhängigkeitstag dicht beieinander. Die 250-Jahr-Feier der Vereinigten Staaten spiegelt einen Mikrokosmos wider, der Spaltung, Kampfeswillen und eine besondere Freiheit zeigt.

„An diesem Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung versammeln sich Hunderte Veteranen und Angehörige des Militärs, um auf die Gefahren für die Demokratie aufmerksam zu machen“, ruft Michael T. McPhearson durch sein Megafon. „Unsere politischen Führer missachten die grundlegenden Prinzipien der Unabhängigkeitserklärung, treten unsere Rechte mit Füßen und behandeln uns nicht als gleichberechtigte Bürger, sondern als Untertanen und Spielbälle einer Milliardärselite.“

McPhearson, ehemaliger Artillerieoffizier im Zweiten Golfkrieg der 1990er-Jahre, ist Geschäftsführer von „Veterans For Peace“. Die Menschen um ihn herum halten Schilder mit Aufschriften wie „Freiheit statt Faschismus“ oder „Die nächsten 250 Jahre gehören uns“ hoch. „Wir, die wir diese Nation in Uniform verteidigt haben, sind verpflichtet, gegen Trumps private Armee, bekannt als ICE, zu protestieren, die unsere Nachbarn verschwinden lässt und unsere Gemeinden terrorisiert“, fährt McPhearson fort. „Gegen das Trump-Regime – keine Regierung, sondern ein Regime –, das Militärkräfte in unsere Viertel schickt, wie einst die Briten, um Widerstand zu unterdrücken.“

4. Juli. Independence Hall, Philadelphia. Der Geburtsort der amerikanischen Demokratie. Am Samstagvormittag versammeln sich rund 100 Demonstranten genau dort, wo vor 250 Jahren zwölf der dreizehn Kolonien für die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten stimmten. Die Unterzeichnung soll laut Historikern erst am 2. August 1776 erfolgt sein. Dennoch gilt der 4. Juli als Nationalfeiertag, an dem die Erklärung der Kolonien als „freie und unabhängige Staaten“ gefeiert wird – als Abkehr vom britischen Königreich.

Stundenlanges Warten bei 40 Grad Hitze

Donald Trump bewegt auch am Unabhängigkeitstag die Gemüter in den USA. Während der Präsident am Freitag das Wochenende zum 250-jährigen Jubiläum am Mount Rushmore eröffnete, mussten in Philadelphia aufgrund extremer Hitze zahlreiche Feierlichkeiten kurzfristig abgesagt werden. Der nationale Wetterdienst meldete für Samstag Temperaturen von 40 Grad Celsius, die sich durch hohe Luftfeuchtigkeit auf fast 45 Grad anfühlten – beinahe ein Rekordwert.

Doch die Demonstranten an der Independence Hall lassen sich davon nicht abschrecken – ebenso wenig wie viele Feiernde in der Nähe. Nur wenige Meter von den Protesten entfernt stehen Menschenmengen, die nahezu alle US-Flaggen tragen oder „250 Jahre USA“-Shirts, und warten 45 Minuten, um die berühmte Freiheitsglocke zu besichtigen. Die Wartezeit für die Independence Hall beträgt sogar bis zu drei Stunden.

Was bewegt diese Menschen in Trumps zweiter Amtszeit? Welche Bedeutung hat der Unabhängigkeitstag in diesen turbulenten und zunehmend repressiven Zeiten? Freiheit – und wer sie besitzt – hat in der Geschichte der USA immer wieder unterschiedliche Gesichter angenommen. Philadelphia zeigt einen Ausschnitt davon, wie es um die Freiheit in den Vereinigten Staaten aktuell bestellt ist.

„Amerika schämt sich zutiefst“

Zoe Fox, in New Mexico geboren und seit 20 Jahren in Philadelphia lebend, kommt gerade von einer Veranstaltung und trägt ein Schild mit der Aufschrift „Feministinnen gegen Faschismus“. Sie sagt: „Unsere Regierung ist ein totales Chaos. Trump und sein gesamtes Kabinett sollten zurücktreten. Amerika schämt sich zutiefst für das Vorgehen seiner Regierung.“ Trump bezeichnet sie als „eine Schande für das Land“.

Fox feiert den 4. Juli zwar, sieht ihn aber eher als einen Tag des Niedergangs der Freiheit: „Es fühlt sich fast wie eine Beerdigung an. Heute zünden wir das Feuerwerk zur Trauerfeier Amerikas an und wollen versuchen, das wieder aufzubauen, was Trump zerstört hat.“ Als Mutter möchte sie ihrer Tochter zeigen, dass Amerikaner sich für Ausgegrenzte einsetzen. „Wir lassen nicht zu, dass machthungrige, bösartige Menschen – diese abscheulichen Kreaturen, die unser Land regieren – unsere Nation übernehmen. Wir halten weiterhin an Werten wie Freiheit und Gerechtigkeit für alle fest.“

Chris, der ein US-Fußballtrikot trägt und seinen echten Namen nicht preisgeben möchte, um seinen Regierungsjob nicht zu gefährden, zitiert zunächst George Washington und sagt dann: „Jeder sollte leben können, wie er oder sie möchte, ohne Eingriffe von außen. Wir haben noch immer das Recht, die Mächtigen zu kritisieren. Wenn man uns dieses Recht nimmt, wird das für die Verantwortlichen kein gutes Ende nehmen. Das haben wir Amerikaner in der Geschichte immer wieder bewiesen.“ Er liebt sein Land auch in „diesen schwierigen Zeiten“, betont aber, dass es „repariert“ werden müsse.

„Ich liebe Trump“

In der Nähe der Freiheitsglocke steht Theresa Stuart mit ihrem Mann und hält eine große US-Flagge. Sie trägt ein USA-Sweatshirt und eine Mütze und ist extra aus Texas angereist: „Für mich bedeutet Freiheit, heute hier mit der amerikanischen Flagge zu stehen. Wir nehmen unsere Rechte zu oft als selbstverständlich hin, dabei haben wir sie uns erkämpft und müssen sie bewahren.“

Sie sei stolz auf ihr Land, „auf das, wofür es steht und wofür wir gekämpft und gestorben sind“, sagt Stuart. Ihrer Einschätzung nach werde es in den USA gerade wieder etwas besser. „Ich liebe Trump und was er für unser Land tut. Die Börsenkurse steigen, seine Politik war dringend nötig. Ich weiß, dass manche ihn nicht mögen, aber das war bei jedem Präsidenten so.“

Die Meinungen könnten bei den Demonstranten nebenan kaum unterschiedlicher sein. Dort sagt die Veteranin Pacha: „Wir müssen uns vom amerikanischen Imperialismus befreien. Ich habe gesehen, was das anderen Ländern antut.“ Pacha war eigenen Angaben zufolge zwölf Jahre in der Armee, unter anderem in Afghanistan, bei Einsätzen, die ihre eigene Moral infrage stellten.

Keine Gleichheit, Aufruf zur Revolution

Sie ist Tochter einer Peruanerin und eines Afroamerikaners. „Als indigene Frau weiß ich, dass es in diesem Land nie Gleichheit gab. Verfassung und Unabhängigkeitserklärung wurden von den Kolonisatoren verfasst. Für mich ist der 4. Juli kein Tag der Freude, sondern eine Erinnerung für uns Immigranten, dass wir als Nation noch weit entfernt von unserem Ziel sind.“

Ein Freund von ihr nennt sich „Thomas Jefferson“ und meint, die USA bräuchten eine neue „Revolution“. Nur so könne es Freiheit geben. Trump bezeichnet er als „Kriegsverbrecher, der unser Land zerstört und alle Werte beseitigt, für die es einst stand“.

Rund um die Independence Hall sind auch viele US-Bürger unterwegs, die ihre Meinung nicht zu stark zur Schau stellen wollen. Dakota ist zum Nationalfeiertag in die Wiege der Demokratie gereist, um diesen „besonderen Tag“ gebührend zu feiern. Er trägt ein Hemd im US-Flaggen-Stil und Hosenträger und sagt: „Ich genieße das Recht auf freie Wahl und das damit verbundene Glück.“

Freiheit, die Mächtigen zu kritisieren

Auf einer Parkbank im Schatten trinken Beth Bunting und ihre Mutter Pat, beide aus Philadelphia, einen Eiskaffee. „Ich liebe mein Land und glaube an die Werte, die in der Unabhängigkeitserklärung und Verfassung stehen“, sagt Beth. „Die Gesetze wurden vom Volk für das Volk gemacht, und wir haben immer noch ein Mitspracherecht.“ Ihre Mutter ergänzt: „Doch dieses Recht schwindet zunehmend. Es geht darum, dass man sein Land lieben und zugleich die Mächtigen kritisieren kann.“

Solomon, der in einem nahegelegenen Hotel arbeitet, bietet eine weitere Perspektive: „In den 250 Jahren hatten meine Vorfahren lange Zeit keine Freiheit“, sagt der Afroamerikaner. „Ich stamme aus einer Familie von Sklaven an der Westküste, daher bedeutet Freiheit für mich auch Überleben.“ Unter Trump habe es definitiv Veränderungen gegeben, aber „Amerika ist größer als Trump und bewegt sich in die richtige Richtung.“

Gegen Mittag räumen die Demonstranten ihre Sachen, die Sonne brennt so stark, dass sogar ein Krankenwagen gerufen werden muss. Wenige Meter entfernt beginnt eine Blechbläserband zu spielen, Männer in Kostümen aus der Revolutionszeit treten auf, und die Umstehenden rufen „USA, USA“, während auf einem Bildschirm eine Vorschau auf das Achtelfinale der US-Nationalmannschaft gegen Belgien gezeigt wird.

„Werte kann niemand zerstören“

Im Mikrokosmos von Philadelphia am Unabhängigkeitstag liegen alles dicht beieinander: gesellschaftliche Spaltung, unterschiedliche Meinungen – aber auch die Freiheit, seine Meinung offen zu äußern. „Hier drüben demonstrieren die Protestierenden und alle lassen sie in Ruhe, während hier andere unsere Unabhängigkeit feiern können – ebenfalls friedlich“, sagt Marie, die als Helferin an der Independence Hall tätig ist.

Seit Trumps Wiederwahl müsse man zwar wachsam sein, damit die Rechte aus der Unabhängigkeitserklärung und Verfassung nicht verloren gehen, aber „die Werte, die wir über 250 Jahre aufgebaut haben, kann keine einzelne Person vernichten“, ist Marie überzeugt. „Gerade jetzt ist es wichtig, unser Land zu unterstützen. Wir arbeiten daran, besser zu werden. Nichts auf der Welt ist perfekt.“