Reha-System vor dem Zusammenbruch: Zahlreiche israelische Soldaten leiden an Belastungsstörungen
Fast drei Jahre nach Ausbruch des Gaza-Kriegs leiden Zehntausende israelische Soldaten unter den psychischen Auswirkungen. Die große Anzahl an Betroffenen stellt die zuständigen Betreuungseinrichtungen vor enorme Herausforderungen. Studien zeigen zudem, dass psychische Belastungsstörungen auch im Gazastreifen weit verbreitet sind.
Seit Beginn des Konflikts vor fast drei Jahren kämpfen viele israelische Soldaten mit seelischen Problemen. Laut einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums zeigten 65 Prozent der insgesamt 26.600 im Krieg verwundeten Soldaten, die sich an die Reha-Abteilung des Ministeriums wandten, Anzeichen von psychischen Belastungen oder einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).
Die Gesamtzahl der verwundeten Soldaten und Sicherheitskräfte aus allen israelischen Kriegen werde voraussichtlich noch in diesem Jahr die Schwelle von 90.000 überschreiten, so das Ministerium weiter. Ein deutlicher Anstieg sei in den vergangenen drei Jahren zu verzeichnen gewesen.
Das Verteidigungsministerium warnt, dass das nationale Rehabilitationssystem für Kriegsverletzte aufgrund der hohen Fallzahlen „zusammenzubrechen“ drohe. Schätzungen der Reha-Abteilung zufolge könnte die Zahl der in Behandlung befindlichen Verletzten bis 2028 auf rund 100.000 ansteigen, davon etwa 50.000 mit psychischen Beschwerden. Neben PTBS handele es sich dabei auch um Angststörungen, Anpassungsprobleme und Depressionen. Die Angebote zur Unterstützung wurden bereits deutlich ausgeweitet.
Der verheerende Gaza-Krieg begann mit dem Angriff der Hamas und weiterer extremistischer Gruppen auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem etwa 1200 Menschen getötet und mehr als 250 als Geiseln nach Gaza verschleppt wurden. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde sind seitdem mehr als 73.000 Palästinenser ums Leben gekommen.
Mehrere Studien, unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation, belegen eine hohe Verbreitung schwerer psychischer Belastungen unter palästinensischen Binnenvertriebenen im Gazastreifen. Diese leiden vor allem an Depressionen, Angststörungen und erheblichem Stress.