Unruhige zehn Jahre: Sechs britische Premierminister in einem Jahrzehnt
Keir Starmer, der britische Premierminister, hat aufgrund fehlender Unterstützung innerhalb seiner Labour-Partei seinen Rücktritt bekanntgegeben. Sein Parteifreund Andy Burnham steht bereits als möglicher Nachfolger für das Amt in der Downing Street Nummer 10 bereit. Sollte Burnham das Amt übernehmen, wäre er der siebte Regierungschef innerhalb von zehn Jahren. Ein Rückblick auf ein politisch turbulentes Jahrzehnt im Vereinigten Königreich.
Mai 2010 bis Juli 2016: David Cameron
David Cameron von den Konservativen wollte den langjährigen Streit um die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens durch ein Referendum beenden und setzte sich persönlich für den Verbleib in der Europäischen Union ein. Im Juni 2016 entschieden sich die Briten jedoch mehrheitlich für den Brexit, woraufhin Cameron seinen Rücktritt erklärte.
Juli 2016 bis Juli 2019: Theresa May
Theresa May, Camerons Nachfolgerin und Parteikollegin, übernahm die schwierigen Brexit-Verhandlungen mit der EU. 2017 rief sie Neuwahlen aus, um ihre politische Position zu stärken. Dieser Plan scheiterte jedoch: Die konservativen Tories blieben zwar stärkste Kraft, erreichten aber keine absolute Mehrheit. Mays ausgehandeltes Brexit-Abkommen wurde im Unterhaus abgelehnt. Nach einer schweren Niederlage der Konservativen bei den Europawahlen im Mai 2019 trat May zurück.
Juli 2019 bis September 2022: Boris Johnson
Boris Johnson, ehemaliger Bürgermeister Londons und Nachfolger Mays, galt als unkonventionell. Im Dezember 2019 führte er die Tories zu einem klaren Wahlsieg. Anschließend musste Johnson Großbritannien durch die Corona-Pandemie steuern und den formellen EU-Austritt sowie die Übergangsphase bis Anfang 2021 managen. Sein Rücktritt erfolgte nach mehreren Verstößen gegen Corona-Regeln bei privaten Feiern in seinem Amtssitz.
September 2022 bis Oktober 2022: Liz Truss
Johnson-Nachfolgerin Liz Truss setzte dem Chaos die Krone auf. Kurz nach Amtsantritt präsentierte sie einen wirtschaftlichen Rettungsplan mit umfangreichen, kreditfinanzierten Entlastungen und Steuersenkungen, was Panik an den Finanzmärkten auslöste. Nachdem die Partei ihr die Unterstützung entzog, trat Truss nach nur 49 Tagen zurück – die kürzeste Amtszeit eines Premierministers in der britischen Geschichte.
Oktober 2022 bis Juli 2024: Rishi Sunak
Rishi Sunak brachte ab Oktober 2022 wieder etwas Stabilität in die Downing Street. Dennoch konnte der indischstämmige Premier die innerparteilichen Konflikte bei den Konservativen nicht beenden. Seine Zustimmungswerte blieben niedrig. Während seiner Amtszeit litten viele Bürger unter stark gestiegenen Energiepreisen, und Sunak galt als wenig volksnah. Bei den Parlamentswahlen im Juli 2024 verloren die Konservativen erstmals seit 14 Jahren mit Sunak als Spitzenkandidat.
Seit Juli 2024: Keir Starmer
Die Labour-Partei gewann bei der Wahl eine deutliche Mehrheit. Premier Keir Starmer versprach, das „Chaos“ durch häufige Regierungswechsel zu beenden. Doch seine Popularität schwand schnell. Pläne zur Abschaffung des Heizkostenzuschusses für Senioren führten zu großem Protest, woraufhin Starmer zurückruderte. Zudem belastete ein Skandal um Peter Mandelson, den Starmer als Botschafter in Washington ernannte, der Verbindungen zu Jeffrey Epstein hatte, seine Position. Nach enttäuschenden Ergebnissen bei Kommunal- und Regionalwahlen im Mai und wachsendem innerparteilichem Druck trat Starmer zurück.
Möglicher Starmer-Nachfolger ab Juli 2026: Andy Burnham
Kurz nach Starmers Rücktritt kündigte Andy Burnham seine Kandidatur für den Parteivorsitz der Labour-Partei an. Der 56-jährige frühere Bürgermeister von Greater Manchester, der in der Region sehr beliebt ist, strebt damit auch das Amt des Premierministers an. Burnham wurde inzwischen als Abgeordneter für den nordenglischen Wahlkreis Makerfield ins Unterhaus gewählt und vereidigt.
Mit seinem klaren Sieg bei der Nachwahl im nordwestenglischen Wahlkreis Makerfield sicherte sich Burnham den Sitz im Parlament – eine Voraussetzung für seine Kandidatur als Nachfolger Starmers. Ex-Gesundheitsminister Wes Streeting zog sich aus dem Rennen um den Labour-Vorsitz zurück und unterstützt Burnham. Damit steht einem schnellen Übergang zu Burnham als neuem Parteichef und Premierminister nichts mehr im Weg. Die Nominierungsphase für den Parteivorsitz soll laut Starmer am 9. Juli starten und bis zum Parlaments-Sommerpause am 16. Juli abgeschlossen sein. Bis dahin bleibt Starmer im Amt.