Kölner Journalistin nach monatelanger Haft in Syrien endlich freigelassen – Kollege bleibt vermisst
Im Januar wurde eine deutsche Journalistin in Rakka festgenommen und verbrachte mehrere Monate in einem syrischen Gefängnis, davon einen Großteil in Isolationshaft. Dank intensiver Bemühungen deutscher Behörden konnte sie nun zurück nach Deutschland gebracht werden. Ihr türkischer Kollege wird jedoch weiterhin vermisst.
Die deutsche Journalistin Eva Maria Michelmann, die Mitte Januar in Syrien festgenommen wurde, ist mittlerweile freigelassen worden. Dies bestätigte ihr Bruder Antonius Michelmann gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Eva Maria Michelmann befindet sich nun wieder in Deutschland und ist am späten Nachmittag aus Jordanien eingetroffen. „Wir haben sie abgeholt“, berichtete ihr Bruder. Ihrem Gesundheitszustand zufolge geht es ihr den Umständen entsprechend gut, so Antonius Michelmann. Sie verbrachte einen längeren Zeitraum in Einzelhaft, weitere Details wurden nicht genannt.
Die Journalistin aus Köln war laut Angaben des syrischen Informationsministeriums am 18. Januar in der Stadt Rakka während einer Militäroperation festgenommen worden. Ebenfalls inhaftiert wurde der türkische Staatsbürger Ahmed Polad, ein kurdischer Journalist aus der Türkei. Über den Verbleib dieses Kollegen gibt es weiterhin keine Informationen, erklärte Antonius Michelmann.
Ende April berichtete die Anwaltskanzlei, die Michelmann vertritt, dass ein entlassener Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) ausgesagt habe, Polad, den er bereits vor dessen Festnahme kannte, während der Haft wiedergesehen zu haben. Der türkische Journalist sei aufgrund von Verletzungen an Hand und Bauch in einem Krankenhaus behandelt worden, befinde sich aber in einem stabilen Gesundheitszustand.
Nach Angaben des syrischen Ministeriums vom Anfang Mai wurde Michelmann bei der Durchsuchung eines Gebäudes festgenommen, das einer Gruppe zugeordnet wurde, die den SDF nahesteht. Nachdem sich dort Kämpfer verschanzt hatten, wurden alle Anwesenden festgesetzt. Dabei wurden auch zwei ausländische Personen bemerkt, hieß es damals.
Dem damaligen Ministeriumssprecher zufolge gab die Journalistin zunächst an, spanische Staatsbürgerin zu sein und für eine mit den Vereinten Nationen verbundene Organisation zu arbeiten. Eine entsprechende Anfrage bei den UN ergab jedoch, dass keine Mitarbeiter in der Region vermisst würden. Im Verlauf der Ermittlungen wurde schließlich festgestellt, dass es sich um eine deutsche Journalistin handelt, die keine Dokumente vorweisen konnte, die ihren Auftrag bestätigen. Außerdem sollen Michelmann und ihr Begleiter versucht haben, aus dem Gewahrsam zu fliehen, so der Sprecher.
Familienangehörigen zufolge arbeitet Michelmann seit 2022 als freie Journalistin in Syrien. Nach Informationen des „Spiegel“ wurde sie von der deutschen Botschaft in Damaskus konsularisch betreut. Gemeinsam mit der Botschaft in Beirut setzte man sich bei der syrischen Regierung für ihre Freilassung ein. Auch das Auswärtige Amt in Berlin war auf höchster Ebene in die Verhandlungen involviert.