Trumps Renovierung des Reflecting Pools: Algenproblem schlimmer als zuvor
Immer wieder sorgen Algen für Probleme an einem der bekanntesten Wahrzeichen Washingtons: Der Reflecting Pool wirkt stellenweise wie ein veralgter Tümpel. Präsident Trump versprach pünktlich zur Unabhängigkeitsfeier einen strahlenden Anblick. Doch Millionen Dollar später scheint sich das Algenproblem sogar verschärft zu haben.
Nur wenige Tage nach Abschluss der rund 14,2 Millionen Dollar (12,3 Millionen Euro) teuren Sanierung des beliebten Wasserbeckens in der US-Hauptstadt verbreiten sich im Reflecting Pool offenbar mehr Algen als in den vergangenen fünf Jahren zu dieser Jahreszeit. Diese Einschätzung basiert auf einer Auswertung von Satellitenaufnahmen durch die „Washington Post“.
US-Präsident Donald Trump hatte im April angekündigt, das von ihm als „schmutzig“ und „widerlich“ kritisierte Wasser zu reinigen. Nach einer Neulackierung in „amerikanischem Flaggenblau“ sollte der Pool wieder in neuem Glanz erstrahlen. Bei der Wiederbefüllung lobte der Republikaner am 4. Juni das „saubere, wunderschöne Wasser“.
Die von der „Washington Post“ beauftragte Analyse einer Wissenschaftlerin der University of Virginia zeigte jedoch, dass in der Woche nach der Wiedereröffnung deutlich mehr Algen im Reflecting Pool sichtbar waren als auf allen Satellitenbildern aus dem Juni der letzten zwei Jahre. Der Algenanteil zählte damit zu den höchsten, die in diesem Zeitraum gemessen wurden.
Besonders kritisch wird die Renovierung betrachtet, da US-Medien berichteten, dass die Aufträge ohne Ausschreibung an ausgewählte Firmen vergeben wurden. Die Regierung begründete dies mit dem Zeitdruck vor den Feierlichkeiten zum 250-jährigen Jubiläum der Vereinigten Staaten. Trump wollte unbedingt, dass das Becken pünktlich zum 4. Juli in bestem Zustand ist.
Wasserstoffperoxid als Gegenmaßnahme
Der Zeitpunkt der Sanierung erwies sich als ungünstig: Laut Bericht begünstigen heiße und sonnige Wetterbedingungen das Wachstum von wasserpflanzenähnlichen Organismen. Als der Pool Anfang Juni wieder befüllt wurde, herrschte in Washington eine Hitzewelle, die bis heute anhält.
Der Reflecting Pool zählt zu den bekanntesten Symbolen der US-Hauptstadt. Das etwa 600 Meter lange Wasserbecken liegt zwischen dem Lincoln Memorial und dem Washington Monument. Es diente auch als Kulisse für Martin Luther Kings berühmte Rede „I Have a Dream“ im Jahr 1963.
Anfang dieser Woche war der Algenbefall auch mit bloßem Auge sichtbar: Fotos und Videos zeigten einen Reflecting Pool, dessen Wasser eher einem Tümpel glich. Am Dienstag füllte sich das Gebiet um das Becken mit Touristen und Einheimischen, die neugierig waren, wie grün das Wasser geworden ist. Ein vorbeifahrender Radfahrer kommentierte: „Das ist jetzt die größte Touristenattraktion.“
Der National Park Service bekämpfte die Algen intensiv und setzte unter anderem Wasserstoffperoxid ein. Das US-Innenministerium erklärte am Dienstag, die Algen seien bereits abgestorben und würden gerade abgesaugt. Ursache seien Ablagerungen in Leitungen, die während der Bauarbeiten stillstanden – ein seit Jahrzehnten bekanntes Problem.
Das flache Becken liegt in voller Sonne und erwärmt sich im Sommer stark. Bereits nach einer früheren Sanierung traten binnen weniger Wochen erneut Algen auf. Ein neues Wasseraufbereitungssystem soll zukünftig für algenfreies Wasser sorgen. Allerdings könnte die dunklere Farbe des Beckengrundes die Wassererwärmung verstärken und somit das Algenwachstum begünstigen. Ob der Reflecting Pool am 4. Juli tatsächlich klarer aussieht als vor der Renovierung, bleibt abzuwarten.