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DIW-Studie zeigt: Abschaffung der Rente mit 63 könnte Milliarden sparen

Ernüchternde DIW-Studie: Aus der Rente mit 63 würde Milliarden sparen

Jährlich greifen bis zu 280.000 Arbeitnehmer auf die Rente mit 63 zurück. Doch diese Regelung belastet die Staatsfinanzen erheblich, wie eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) belegt. Zudem bringt die vorgezogene Altersrente weitere Nachteile mit sich.

Würde die abschlagsfreie Rente für langjährig Versicherte abgeschafft, könnten die öffentlichen Haushalte pro Rentnerjahrgang um 9,5 Milliarden Euro entlastet werden. Gleichzeitig stünden dem Arbeitsmarkt etwa 125.000 zusätzliche Vollzeitstellen zur Verfügung, so das Ergebnis einer DIW-Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Die sogenannte Rente mit 63 ermöglicht Arbeitnehmern nach 45 Beitragsjahren den vorzeitigen Ruhestand ohne Rentenabschläge. Jährlich nehmen zwischen 250.000 und 280.000 Beschäftigte dieses Angebot in Anspruch.

Allein die Rentenversicherung könnte laut Analyse pro Jahrgang rund 10,4 Milliarden Euro einsparen. Die Experten gehen davon aus, dass die Betroffenen ihren Renteneintritt im Durchschnitt um zehn Monate hinausschieben würden. Dem stehen jedoch Mindereinnahmen bei Steuern und Sozialabgaben von insgesamt etwa 900 Millionen Euro gegenüber. „Der Staat zahlt jährlich Milliarden für die Rente mit 63“, erklärt André Schleiter, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung. „Dies belastet die Rentenkasse, während der Wirtschaft wertvolles Know-how und Arbeitskraft verloren gehen.“

Abgesehen von den finanziellen Auswirkungen würde die Abschaffung der Regelung dem Arbeitsmarkt rund 125.000 zusätzliche Vollzeitkräfte zuführen. Entgegen der verbreiteten Annahme wird die abschlagsfreie Frührente nicht nur von Beschäftigten in körperlich belastenden Berufen genutzt. Anspruchsberechtigt sind vor allem Personen mit langen, stabilen Erwerbsbiografien und daher überdurchschnittlich hohen Rentenansprüchen. „Der weitaus größere Nutzen liegt darin, erfahrene und gut qualifizierte Mitarbeiter länger im Berufsleben zu halten“, so Eric Thode, ebenfalls Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung.

Eine generelle Abschaffung sehen die Studienautoren jedoch kritisch, da sie besonders Menschen mit eingeschränkter Erwerbsfähigkeit stark benachteiligen würde, die dann Rentenabschläge in Kauf nehmen müssten. Um dies zu vermeiden, empfehlen die Bertelsmann-Experten Ausnahmeregelungen wie individuelle Gesundheitsprüfungen, eine neu gestaltete Berufsunfähigkeitsversicherung oder die Berücksichtigung des Einkommens. Außerdem sei es wichtig, in Weiterbildung und gesunde Arbeitsbedingungen zu investieren, um längeres Arbeiten für mehr Menschen zu ermöglichen.

Die Rente mit 63 erlaubt es Beschäftigten, nach mindestens 45 Beitragsjahren 24 Monate vor dem regulären Rentenalter ohne Abschläge in den Ruhestand zu gehen. Das aktuelle Regelrentenalter liegt bei 66 Jahren und vier Monaten. „Die Rente mit 63 entspricht derzeit also einer Rente mit 64 ⅓“, heißt es in der Studie. Rund 30 Prozent aller Neurentenzugänge entfallen auf diese Variante, die etwa ein Fünftel der Gesamtausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung ausmacht – mit steigender Tendenz.

Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission plant, ihren Bericht Ende Juni vorzulegen. Im Vorfeld einer geplanten Reform werden verschiedene Optionen zur Stabilisierung der Rentenkassen diskutiert.