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Wieduwilts Woche: Deutschland meldet sich krank

Wieduwilts Woche: Deutschland schreibt sich krank

Union und SPD hatten eigentlich vor, mit ihrem Reformpaket einen entscheidenden Impuls zu setzen. Ziel war es, neuen Schwung zu gewinnen, der unser Land wieder voranbringt. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch genauso deutlich wie die WM-Teilnahme der deutschen Mannschaft.

Kommunikation ist die Summe aller positiven Aspekte plus die Fehler im Quadrat. Diese Formel ist zwar etwas unscharf, trifft aber genau das, was die Koalition gerade am eigenen Leib erfährt: Ein kurioser Tweet von Merz’ Social-Media-Team, das versehentlich über eine der vielleicht langweiligsten Niederlagen in der deutschen Fußballgeschichte jubelte („wir sind stolz auf Euch!“), verdeutlicht dies nur zu gut.

Doch das Kernproblem ist weitaus gravierender: Nach der Reformwoche verspüren viele Bürger keinerlei Aufbruchsstimmung. Stattdessen herrscht Verwunderung über kleinliche Steueränderungen bei Minijobs oder die Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen. Besonders irritiert die Bevölkerung die Regelung, dass man sich am ersten Krankheitstag bereits ein Attest beim Arzt besorgen muss.

Ursprünglich schien kaum jemand wirklich zu verstehen, was die Koalitionsparteien bei einem grippalen Infekt vereinbart hatten. Muss man am ersten Tag zum Arzt? Oder reicht eine Videosprechstunde? Oder braucht man am ersten Tag gar nicht vorstellig zu werden, aber trotzdem eine Krankschreibung für diesen Tag? Oder kehrt man einfach zur Situation vor der Corona-Pandemie zurück? So richtig klar ist das nicht.

Kommunikativer Totalausfall

Diese Verwirrung ist ein Kommunikationsdesaster: Denn diese Unsicherheit betrifft nicht nur einzelne Einzelfälle oder umstrittene Steuerregelungen. Jeder wird früher oder später krank – betrifft also alle 83 Millionen Deutschen. So sieht keine überzeugende Führung aus.

Unterdessen herrscht bei der Bundesärztekammer Alarmstimmung. In der FAZ warnt ein Hausarzt davor, dass „die Patienten uns die Sprechstunden stürmen“. Er befürchtet, dass sich alle Grippekranken in Warteschlangen drängen, dort Viren verbreiten und damit ganze Regionen infizieren.

Insgesamt ein enttäuschendes Resultat für einen Tag, den der Kanzler rhetorisch groß aufgezogen hatte. Friedrich Merz sprach von einem „großen Sprung nach vorn“. Das erinnerte an den chinesischen Diktator Mao Zedong, dessen „Großer Sprung nach vorn“ tragisch endete – mit Millionen Hungertoten, nicht mit Millionen Patienten im Wartezimmer.

Teil eines umfassenden Scheiterns

Zur allgemeinen Verwirrung hatte Merz zuvor gesagt, er erwarte zwar einen großen Fortschritt, aber keinen „großen Big Bang“. Fortschritte ohne Knall? Klingt eher widersprüchlich als klug.

Die Stimmungslage ist jedenfalls schlecht: Eine betrübliche Woche für den Fußball, eine traurige Phase für die Bundesregierung. Deutschland meldet sich krank – und zwar in vielerlei Hinsicht, wie zahlreiche Kommentare feststellten.

Thomas Tuma vom „Focus“ diagnostizierte ein „pomadiges Phlegma“ sowohl im Sport als auch im Land. Jürgen Kaube von der FAZ kritisierte das „Land der Mutlosen“, das eigene Niederlagen – ob im Fußball, bei der Bahn oder im Bildungssystem – nicht als Ansporn, sondern als ungerechtfertigte Schande wahrnimmt.

Sympathie abhängig vom Erfolg

Der Springer-Kommentator Ulf Poschardt sah im Fußball nur einen Teil des generellen Versagens Deutschlands. Die Konsequenz: Der Fokus auf soziale Gerechtigkeit müsse ein Ende haben. Deutschland sei nur dann sympathisch, wenn es erfolgreich auftritt.

Ja, es gab einmal bessere Zeiten. Wie anders war die Stimmung 2006, als Deutschland beim Sommermärchen mit Platz drei bei der WM glänzte! Für einen Moment waren wir cool, sympathisch – und das lag nicht nur am Fußball.

Damals regierte eine Kanzlerin namens Angela Merkel, die, anders als oft behauptet, hervorragend kommunizieren konnte. Schon vor 20 Jahren nutzte sie einen Videopodcast, brachte ihre Botschaften kurz und ruhig rüber – unterstützt von einem kleinen silbernen Würfel, den ihr der damalige „Bild“-Chef Kai Diekmann zum Amtsantritt schenkte.

Merkel demonstriert Kommunikationskunst

Unabhängig von Merkels Politik zeigt sie heute, in dieser schwachen Woche 2026, erneut, wie effektive Kommunikation funktioniert – anlässlich ihres Kanzlerinnenporträts für die Ahnengalerie im Kanzleramt.

Gemalt wurde sie von einem damals wenig bekannten jungen Künstler namens Jérémie Queyra (ein Zeichen für Modernität). Der Würfel ist ebenfalls abgebildet (symbolisiert Ruhe), ebenso wie eine gelbe Umlaufmappe (steht für Sachlichkeit).

Mit den Fingerkuppen ihrer gewölbten linken Hand berührt Merkel eine weiße Sofalehne. Sie stützt sich dabei nicht ab, wie fälschlicherweise vermutet wurde, sondern markiert klar ihr Territorium – ähnlich wie jemand, der sich bei einem Foto gegen sein Auto lehnt: Meins!

Man wünscht sich von der Regierungsspitze ähnlich klare Auftritte – sei es auch nur bei Fußballkommentaren auf Instagram. Immerhin könnte Jürgen Klopp, der auch kommunikativ begabt ist, nun den deutschen Fußball wieder auf Kurs bringen.

Nur ein Jürgen Klopp für die Politik ist derzeit nicht in Sicht.