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Welche Soldaten zieht Trump ab? Überblick zu den Aufgaben der US-Truppen in Deutschland

Welche Soldaten zieht Trump ab?: Das sind die Aufgaben der US-Truppen in Deutschland

Ramstein, Grafenwöhr, Vilseck: In Deutschland befinden sich mehrere bedeutende US-Militärstützpunkte. Doch diese Standorte stehen vor Veränderungen. US-Präsident Trump plant, mindestens 5000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Wo sind sie momentan stationiert und welche Aufgaben übernehmen sie hierzulande?

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs fordern vor allem linke Gruppen in Deutschland „Ami, go home“. Diese Forderung galt bisher als unrealistisch, könnte aber teilweise bald Realität werden: Das US-Verteidigungsministerium gab Ende vergangener Woche bekannt, 5000 amerikanische Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Präsident Trump beabsichtigt sogar eine noch stärkere Reduzierung der Truppenstärke. „Wir werden die Zahl deutlich weiter reduzieren“, erklärte er.

Wie so oft bei Trump sind die Details noch nicht abschließend geklärt. Grundsätzlich verfolgen Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth jedoch dasselbe Ziel: amerikanische Soldaten zurück in die USA zu holen. Bereits in Trumps erster Amtszeit gab es wiederholt Hinweise darauf. „Damals war geplant, ein Drittel der US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Diese Pläne wurden nur deshalb nicht umgesetzt, weil Trump die Wahl verlor“, erläutert Politikwissenschaftler Thomas Jäger im ntv-Interview.

Logistisches Zentrum in der Pfalz

Nach Pentagon-Angaben vom Dezember leben und arbeiten in Deutschland 35.355 US-Soldaten. Das entspricht etwa der Hälfte aller in Europa stationierten US-Truppen. Nur in Japan sind mehr amerikanische Soldaten im Ausland präsent. Die Truppen verteilen sich auf mehr als 40 Standorte von US Army und US Air Force in Deutschland. Die Militärbasen prägen viele Orte als amerikanische Enklaven mit eigenen Supermärkten und Fast-Food-Ketten.

Die US-Truppen gliedern sich in fünf Garnisonen: Bayern, Rheinland-Pfalz, Ansbach, Stuttgart und Wiesbaden. Die US-Luftwaffe unterhält zwei zentrale Stützpunkte: Ramstein und Spangdahlem.

Die Größe der Standorte variiert stark. Der bedeutendste US-Militärstützpunkt außerhalb der USA ist die Ramstein Air Base nahe Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz. Sie fungiert als logistische Drehscheibe der US-Luftwaffe in Europa und der NATO. Von hier aus werden Truppen und Material zu Einsätzen nach Osteuropa, Afrika und in den Nahen Osten verlegt.

Auf dem Gelände befindet sich zudem die NATO-Kommandozentrale für die militärische Luftraumüberwachung aller europäischen NATO-Partner sowie eine Satelliten-Relaisstation für den Betrieb von US-Kampfdrohnen. „Die Piloten steuern die Drohnen meist aus den USA. Das Steuersignal wird per Glasfaser über den Atlantik bis Ramstein übertragen und dort auf Satellitenkommunikation umgeschaltet“, erklärt Oberst Markus Reisner vom Österreichischen Bundesheer im ntv-Gespräch. „Über die Satellitenverbindung werden die Drohnen dann von Ramstein aus im Iran, Afghanistan oder anderswo gesteuert.“

Atomwaffen an der Mosel

Nur wenige Kilometer von Ramstein entfernt liegt das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der USA: das Landstuhl Regional Medical Center. In Weilerbach wird derzeit ein noch größeres Krankenhaus errichtet.

In der Nähe von Kaiserslautern befindet sich außerdem der Baumholder Army Airfield, ein weiterer US-Militärflugplatz auf einem NATO-Übungsgelände. In den angrenzenden Smith Barracks leben rund 5000 US-Soldaten und ihre Familien. In Miesau, ebenfalls in der Pfalz, befindet sich Europas größtes Munitionslager der US-Armee.

Zusammen leben somit rund um Kaiserslautern mehr als 50.000 US-Amerikaner – Soldaten, zivile Mitarbeiter und Angehörige. Zum Vergleich: Die Stadt Kaiserslautern zählt etwa 100.000 Einwohner.

Der zweite große US-Luftwaffenstützpunkt in Rheinland-Pfalz ist die Air Base Spangdahlem, wo etwa 5000 Militär- und Zivilbeschäftigte tätig sind. Die Basis in der Eifel beherbergt das 52. Jagdgeschwader. Die rund 20 F-16-Kampfjets haben die Hauptaufgabe, im Kriegsfall feindliche Luftabwehrsysteme zu eliminieren.

Ein besonderer Standort ist Büchel an der Mosel, nahe Spangdahlem: Obwohl es sich um einen deutschen Luftwaffenstützpunkt handelt, lagern dort im Rahmen der nuklearen Teilhabe der NATO amerikanische Atomwaffen.

Strategische Kommandozentralen in Stuttgart

Die USA unterhalten in Deutschland nicht nur operative Truppen, sondern auch strategische Stützpunkte. Dazu gehört die Garnison Stuttgart. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt befindet sich das Hauptquartier des U.S. European Command (EUCOM), das Oberkommando für US-Streitkräfte in Europa. Von den Patch Barracks in Stuttgart-Vaihingen aus werden alle US-Militäroperationen in Europa gesteuert. In den Kelly Barracks in Stuttgart-Möhringen ist das U.S. Africa Command (AFRICOM) ansässig, das sämtliche US-Militäreinsätze in Afrika koordiniert.

Das Hauptquartier der Garnison Stuttgart befindet sich in der Panzerkaserne Böblingen. Diese Militärgemeinde ist zwar deutlich kleiner als die Region um Kaiserslautern, umfasst aber dennoch etwa 20.000 Personen.

Ein weiteres US-Hauptquartier liegt in Wiesbaden: Die Lucius-D.-Clay-Kaserne dient als zentraler Standort für alle US-Landstreitkräfte in Europa und Afrika. Seit 2022 werden von hier aus auch alle westlichen Waffenlieferungen und Ausbildungsprogramme für die ukrainische Armee koordiniert.

Zur Garnison Wiesbaden gehören außerdem die Standorte Mainz-Kastel und der Dagger Complex in Darmstadt. In Mainz-Kastel ist die 56. Artillerie-Kommandoeinheit stationiert, die für den Einsatz von Hyperschallraketen zuständig ist. Darmstadt beherbergt ein militärisches Rechenzentrum.

Größter US-Truppenübungsplatz in Europa

Die beiden weiteren US-Garnisonen auf deutschem Boden befinden sich in Bayern. In Mittelfranken liegt die Garnison Ansbach mit sechs Standorten und neun Kasernen. Besonders bedeutend sind die Militärflugplätze in Ansbach-Katterbach und in der Nachbargemeinde Illesheim. Letzterer dient der US Army als Hubschrauberlandeplatz. Auf dem Ansbach Heli Pad sind verschiedene Transport- und Kampfhubschrauber der amerikanischen Heeresflieger stationiert. Insgesamt gehören rund 12.000 Soldaten, zivile Mitarbeiter und Angehörige zur Garnison Ansbach.

Die größte US-Garnison außerhalb der USA ist jedoch die USAG Bavaria in Bayern. Dort sind fast 40.000 Amerikaner stationiert, davon etwa 16.000 aktive Militärangehörige. Ein zentraler Bestandteil der bayerischen Garnison ist der Truppenübungsplatz Hohenfels bei Regensburg.

Das Hauptquartier der bayerischen Garnison befindet sich in Grafenwöhr in der Oberpfalz. Zu den Tower Barracks gehört das mit 220 Quadratkilometern größte US-Übungsgelände Europas, das auch ein wichtiger Übungsplatz für NATO-Truppen ist. In Grafenwöhr ist zudem das 7. Ausbildungskommando der US-Streitkräfte angesiedelt.

Stryker-Brigade in Bayern besonders gefährdet

Ebenfalls in der Oberpfalz liegen die Rose Barracks in Vilseck. Dort ist das 2. Kavallerieregiment, die Stryker-Brigade, stationiert – eine hoch spezialisierte, schnelle Eingreiftruppe. Laut Bayerischem Rundfunk steht diese Einheit im Zentrum des geplanten US-Truppenabbaus. Der Sender berichtete Anfang der Woche, dass die 5000 Soldaten vom Standort Vilseck abgezogen werden sollen, basierend auf „exklusiven Informationen“.

Der frühere US-Präsident Joe Biden hatte die Stryker-Brigade erst 2022 als Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine nach Deutschland verlegt. Die Brigade verfügt unter anderem über Flugabwehr, Artillerie, Drohnen, Kampf- und Schützenpanzer sowie Pioniereinheiten.

Im Gegensatz zu anderen Standorten dient Vilseck nicht primär den strategischen Interessen der USA. Die Rose Barracks sind weniger für die Projektion militärischer Macht in entfernte Weltregionen bestimmt, wodurch der Stützpunkt als das wahrscheinlichste Ziel des US-Truppenabbaus in Deutschland gilt.