Trump rollte über frische Farbe: Algenbekämpfung mit Nanobläschen im Wasserbecken
Die Diskussion um das Wasserbecken in Washington, D.C. hält an. Zwar scheinen die Algen zurückgedrängt, doch wie steht es um die beschädigte Farbe? Eine neue Vermutung besagt, dass US-Präsident Trump selbst für das Abblättern der Versiegelung verantwortlich sein könnte.
Anlässlich des 250. Jubiläums der amerikanischen Unabhängigkeit sollte der Juni für Donald Trump ein Monat voller Glanz und Attraktionen werden: Kämpfe vor dem Weißen Haus, ein Musikfestival mit bekannten Künstlern in der Hauptstadt, eine Ausstellung aller Bundesstaaten im Freien und ein Wasserbecken, das im „amerikanischen Flaggenblau“ erstrahlen sollte. Doch für Trump entwickelte sich das Ganze zu einer unerwarteten Herausforderung.
Die Bilanz seiner Initiativen fällt gemischt aus. Der „Reflecting Pool“ zwischen Obelisk und Lincoln-Denkmal wurde von starkem Algenwachstum befallen, und die blaue Beschichtung begann erneut abzublättern. Trump musste seine Pläne anpassen: Das Musikfestival scheiterte wegen zahlreicher Absagen, sodass er stattdessen am Vorabend der Ausstellungseröffnung eine eigene Kundgebung abhielt. Zudem entsandten mindestens sieben Bundesstaaten aus finanziellen und teils politischen Gründen keine offiziellen Delegationen nach Washington.
Einige US-Medien sehen im Zustand des Wasserbeckens ein Sinnbild für Trumps politische Vorgehensweise: Der Präsident behauptet, nur er könne Probleme lösen, verteilt Staatsaufträge an Freunde, feiert voreilig Erfolge, die sich später als Misserfolge entpuppen. Trump reagiert auf negative Berichterstattung gereizt und schiebt anderen die Schuld zu, während die eigentlichen Probleme ignoriert oder die Kosten unerwartet steigen.
Am Tag vor der Eröffnung der 250-Jahr-Feier am 25. Juni zeigt sich, dass die blau abblätternde Hartgummischicht in Streifen abgeht, die Algen jedoch offensichtlich verschwunden sind. Die Sonne strahlt auf Touristen, Jogger und Spaziergänger, die die Treppen des Lincoln-Denkmals bevölkern. Ein Historiker erklärt im Schatten Journalisten die Unabhängigkeitserklärung. Am Beckenrand nimmt ein Mann seine Sonnenbrille ab und meint: „Sieht doch ganz in Ordnung aus.“ Immer wieder bilden sich kleine Gruppen von Passanten, die das Wasser inspizieren und kurz darüber sprechen.
Firmenchef wegen Korruption verurteilt
Das Wasserbecken in Washington wird zunehmend zum Symbol für eine ganze Geschichte. Die Firma, die das Wasser für 1,7 Millionen Dollar reinigen soll, heißt ironischerweise „Greenwater Services“. Einer der Investoren und Inhaber, John F. Cafaro aus Ohio, besitzt eine Villa nahe Trumps Anwesen in Mar-a-Lago. Laut der „New York Times“ sind die Unternehmer befreundet, und Cafaro unterstützt seit Langem die Republikaner finanziell. Trump bezeichnete ihn als „fantastischen Mann“. Allerdings wurde Cafaro in der Vergangenheit wegen eines politischen Bestechungsskandals und illegaler Parteispenden verurteilt. Die Sanierungskosten, die Trump mit etwa zwei Millionen Dollar angegeben hatte, sind inzwischen auf rund 16 Millionen Dollar angestiegen.
Nur wenige Meter entfernt inspizieren am Tag von Trumps Wahlkundgebung hinter einem Bauzaun einige Männer mit Sonnenbrillen einen Anhänger mit Stahlrohren und einer lauten Pumpe. Zwei Schläuche führen ins Becken. Einer der Männer erklärt eindringlich: „Aus diesem Schlauch kommen desinfizierende Ozon-Nanobläschen – keine Chemikalien, das Wasser ist sauber!“ Als Beweis hält er eine kleine Plastikflasche mit Wasser gegen die Sonne. „Die Algen sind abgestorben, was wie Sand aussieht, sind die Reste.“ Wenn man das Wasser zwischen den Fingern zerreibt, bleibt nur Zellstoff übrig, erläutert er.
Der Beckenboden ist damit bedeckt; Trumps Algenbekämpfer haben ganze Arbeit geleistet. Nun müsste nur noch jemand den Zellstoff entfernen. Mitte Juni hatten Parkwächter literweise Reinigungsmittel ins Wasser gegeben, doch es blieb grün. Eine Fachfirma kommentierte dazu: „Nicht die Chemikalie war das Problem, sondern die Dosierung, der Umfang und die Methode.“ Das Einbringen von 12-prozentigem Wasserstoffperoxid in ein unbewegtes, sonnenbeschienenes Becken mit 25 Millionen Litern ist ungefähr so, als wollte man einen Ozean mit einem Salzstreuer würzen.
Teil von Trumps Gesamtkonzept
Die Sanierung des Reflecting Pools war ein Bestandteil von Trumps Plan, Washington mit neuem Glanz zu präsentieren. Der Ballsaal am Weißen Haus wird derzeit renoviert, ein „Garten der Helden“ soll sich vom Wasserbecken bis zum Potomac River erstrecken, und ein 75 Meter hoher Triumphbogen soll bald in Sichtweite des Lincoln-Denkmals entstehen.
Das Wasserbecken, seit Jahren von Algen geplagt, sollte in kurzer Zeit saniert werden. Trump beauftragte ohne Ausschreibung zwei Firmen mit der Aufgabe: Eine Firma entleerte das Becken, versiegelte es mit blauer Hartgummierung und füllte es mit Wasser aus dem Potomac. „Greenwater Services“ sollte ein Filtersystem installieren.
Doch die Algen wuchsen rasch, und Passanten entdeckten tote Enten im Wasser und am Ufer. Hat sich das Becken in eine Gefahrenzone für Tiere verwandelt? Die Ergebnisse einer angekündigten Untersuchung stehen noch aus. An diesem Mittwoch war keine Ente mehr im Wasser zu sehen.
Was die blaue Versiegelung betrifft, behauptete Trump, Vandalen hätten sie beschädigt – möglicherweise nachts und getarnt. Sechs Personen seien bereits festgenommen worden, weil sie mit einem Teppichmesser die Versiegelung zerschnitten und Pflanzendünger ins Wasser kippten. Von anderer Seite wurde lediglich bestätigt, dass ein Radfahrer für fünf Stunden festgehalten wurde, nachdem er das Gummi berührt haben soll.
Trumps Kolonne rollt über die frische Beschichtung
„Das ist die Hartgummi-Oberfläche – keine Farbe – bevor Vandalen sie zerschnitten und zerstörten!“, schrieb Trump am Mittwoch bei Twitter mit einem Foto. Allerdings gibt es Videoaufnahmen, die zeigen, wie Trumps gepanzerte Fahrzeugkolonne am 7. Mai über die noch glänzende Versiegelung im Becken fuhr, bevor es wieder befüllt wurde. Dies lässt vermuten, dass Trump selbst die Beschichtung beschädigt haben könnte, als er triumphierend durch den Reflecting Pool fuhr.
Schon vor fast zehn Jahren begann Trump seine erste Präsidentschaft mit einem ähnlichen Muster: Nach seiner Amtseinführung behauptete er, bei der Veranstaltung seien mehr Besucher als bei Barack Obama gewesen – obwohl Fotos das Gegenteil zeigten. Trump beharrte auf seiner Version, seine Sprecherin bezeichnete die Aussagen als „alternative Fakten“. Seitdem prägen solche Strategien seine Politik und beeinflussen die öffentliche Wahrnehmung.
Trump kündigte an, „ein Teil des Wassers“ werde „entweder kurz vor oder nach dem 4. Juli abgelassen, um die dauerhafte Reparatur durchzuführen.“ Ob er sein Ziel erreicht hat, bleibt also offen. Sicher will er verhindern, dass die Welt am 4. Juli Bilder einer Baustelle zu sehen bekommt.