Empörung der Kakerlaken-Partei: Indien verschärft Strafen für korrupte Prüfungsbeamte
Seit mehreren Tagen entlädt sich auf den Straßen Indiens eine Wut, die von der Kakerlaken-Bewegung angeführt wird. Diese ruft zu Protesten gegen wiederholte Skandale im Prüfungswesen auf, die immer wieder für Aufruhr sorgen. Dabei kommt es immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen. Premierminister Modi bemüht sich, die aufgebrachte Jugend zu besänftigen.
Angesichts der anhaltenden Demonstrationen der sogenannten Kakerlaken-Bewegung, die Missstände im indischen Bildungssystem anprangert, hat Regierungschef Narendra Modi strenge Maßnahmen gegen Prüfungsbetrug angekündigt. „Wer die Zukunft unserer Jugend gefährdet, wird nicht ungeschoren davonkommen“, betonte Modi in sozialen Netzwerken.
Für Fälle, in denen Prüfungsaufgaben im Vorfeld geleakt werden, sollen nach seinen Worten spezielle Schnellgerichte eingerichtet werden. „Das Wohl und die Zukunft unserer Jugend stehen an erster Stelle“, erklärte Modi in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme zu den landesweiten Protesten, die seine Regierung seit Tagen unter Druck setzen.
In Neu-Delhi versammelten sich erneut mehrere tausend Menschen unter der Führung der sogenannten Kakerlaken-Partei (CJP) zu Demonstrationen. Dabei kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die vorwiegend jungen Demonstranten fordern seit dem letzten Monat den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan aufgrund der wiederholten Prüfungsskandale.
Die Proteste eskalierten am Montag, als schätzungsweise 50.000 Menschen zum Beginn der Monsunsitzungsperiode des Parlaments durch Neu-Delhi zogen. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein, während Demonstranten Steine warfen. Nach Angaben der Polizei wurden mindestens 178 Personen verletzt, darunter auch Einsatzkräfte. Kleinere Proteste fanden zudem in Mumbai, Bengaluru und Goa statt. Auch der Oppositionsführer Rahul Gandhi beteiligte sich an den Demonstrationen und wurde kurzzeitig festgenommen.
Vorab geleakte Prüfungsaufgaben
Auslöser der Proteste waren unter anderem Prüfungsaufgaben, die vorab für eine medizinische Aufnahmeprüfung bekannt wurden. Aufgrund dessen mussten über zwei Millionen Bewerber die Prüfung erneut ablegen. Zusätzlich sorgten Fehler bei der Online-Bewertung von fast zwei Millionen Schülern und Schülerinnen für weitere Empörung.
Die CJP entstand im Mai ursprünglich als satirische Reaktion auf Aussagen des Obersten Richters Surya Kant, der junge Regierungskritiker während einer Anhörung Berichten zufolge mit „Kakerlaken“ und „Parasiten“ verglich. Mittlerweile fordert die Bewegung auch mehr Arbeitsplätze und bessere Chancen für junge Menschen und kritisiert den Regierungsstil Modis als zunehmend autoritär. Die Proteste gelten als eine der größten innenpolitischen Herausforderungen für den hindu-nationalistischen Premierminister seit Beginn seiner dritten Amtszeit im Jahr 2024.