Dröge kritisiert Rentenpaket als unausgewogen – Zustimmung in einem Punkt
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge warnt eindringlich davor, das Renteneintrittsalter einfach an die Lebenserwartung zu koppeln. Sie sieht darin eine Gefahr für steigende Ungleichheit und mögliche Rentenkürzungen – und zweifelt an einer konfliktfreien Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen.
Im RTL- und ntv-Frühstart erklärte Dröge, dass eine einfache Anpassung des Renteneintrittsalters dazu führen würde, dass beispielsweise Professoren leichter länger arbeiten könnten, während Krankenschwestern oft nicht bis zum 67. Lebensjahr durchhalten, bedingt durch ihre belastenden Arbeitsbedingungen. Diese Situation erhöhe die Ungleichheit zwischen verschiedenen Berufsgruppen. Für diejenigen, die körperlich stark belastet sind und nicht länger arbeiten können, könnte das sogar eine Kürzung ihrer Rente bedeuten, was Dröge als ungerecht empfindet.
Ein zentraler Punkt für die Grünen sei, dass Arbeitnehmer überhaupt in der Lage sein müssen, bis 67 Jahre zu arbeiten. Viele schaffen das aktuell nicht. Dröge kritisiert, dass es in den Vorschlägen an klaren und konkreten Maßnahmen fehlt, die Menschen dabei unterstützen, gesund bis zum Rentenalter zu bleiben.
Die Abschaffung der Rente mit 63 begrüßt sie hingegen als einen Schritt, den die Grünen mittragen. „Wir haben selbst vorgeschlagen, dass die Rente mit 63, insbesondere aus der Perspektive junger Menschen, nicht mehr zeitgemäß ist“, so Dröge. Gleichzeitig betont sie, dass Menschen, die wirklich nicht mehr arbeiten können, weiterhin unterstützt werden müssen, etwa durch die Möglichkeit eines vorzeitigen, abschlagsfreien Renteneintritts. Ansonsten drohten erneut Ungerechtigkeiten und Rentenkürzungen für diejenigen, die lange und hart gearbeitet haben.
„Wir brauchen kurzfristige Antworten, nicht erst 2090“
In der Gesamtschau hält Dröge das vorgeschlagene Rentenreformpaket für unausgewogen. Sie bemängelt, dass es kaum Maßnahmen mit unmittelbarer Wirkung enthalte. „Die Boomer-Generation geht jetzt in Rente, und wir müssen in den kommenden Jahren Antworten liefern – nicht erst im Jahr 2090.“
Eine wichtige Lösung sieht sie in der Gewinnung zusätzlicher Fachkräfte für den Arbeitsmarkt. Besonders Frauen, die mehr arbeiten möchten, etwa mit kleinen Kindern, bergen ein großes Potenzial zur Stabilisierung der Beitragssätze. Ebenso sei die Arbeitsmigration ein entscheidender Faktor, den die Union jedoch scheue anzugehen. „Mehr Beschäftigte würden die Renten in den nächsten Jahren deutlich stabilisieren. Solche Maßnahmen sind wesentlich wirkungsvoller.“
Dröge äußert zudem starke Zweifel, dass die schwarz-rote Koalition die Rentenreform ohne Konflikte durchsetzen kann. „Bisher haben Bundesregierung, CDU und SPD kaum etwas ohne Streit realisiert – und das nervt die Menschen.“ Sie empfiehlt den Parteien, gemeinsam an einem Tisch zu beraten, welche Vorschläge der Rentenkommission sinnvoll sind und welche nicht. „Ein weiterer öffentlicher Streit wie bei der Gesundheitskommission bringt niemandem etwas.“