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Andy Burnham: Neuer Premierminister Großbritanniens und ‚König des Nordens‘

Der "König des Nordens": Andy Burnham ist neuer britischer Premierminister

Vor Andy Burnham liegen bedeutende Aufgaben: Er tritt die Nachfolge von Keir Starmer als Premierminister des Vereinigten Königreichs an. In Manchester, wo er zuvor als Bürgermeister tätig war, genießt der Labour-Politiker hohe Anerkennung. Wird es ihm gelingen, das Land aus der aktuellen Krise zu führen?

Andy Burnham wurde zum neuen Premierminister Großbritanniens ernannt. König Charles III. beauftragte den Vorsitzenden der sozialdemokratischen Labour-Partei mit der Regierungsbildung. Der ehemalige Bürgermeister von Greater Manchester folgt auf seinen Parteifreund Keir Starmer, der im Juni unter erheblichem Druck seinen Rücktritt bekanntgegeben hatte.

Wegen seiner hohen Popularität in Manchester trägt Burnham den Spitznamen „König des Nordens“ und gilt seit Wochen als Hoffnungsträger der Labour-Partei, das Land aus der Krise zu führen. Trotz eines starken Wahlergebnisses im Sommer 2024 unter Starmer konnte die Partei die komfortable Mehrheit im Parlament aufgrund innerparteilicher Konflikte nie voll ausschöpfen. In den Umfragen liegt seit Monaten die rechtspopulistische Partei Reform UK teilweise deutlich vorn.

Am Freitag wurde Burnham zum neuen Labour-Vorsitzenden gewählt. In seiner Antrittsrede stellte er sich als Vertreter der Basis dar. Er gilt als klassisch sozialdemokratischer Politiker, der links der Mitte angesiedelt ist. Burnham kündigte an, die Kontrolle über Wasser, Energie, Wohnungsbau und öffentlichen Nahverkehr wieder stärker in die öffentliche Hand zurückzuführen und die politische sowie wirtschaftliche Macht, die bisher stark in London konzentriert ist, auf die Regionen zu verteilen. Eine vollständige Rückkehr Großbritanniens in die Europäische Union scheint auch unter seiner Führung ausgeschlossen.

Der 56-Jährige steht vor zahlreichen Herausforderungen, die sein Vorgänger Starmer nicht bewältigen konnte. Die britische Wirtschaft schwächelt, die außenpolitische Bedeutung des Landes nimmt ab, und die Bevölkerung leidet unter sozialer Ungleichheit sowie konkreten Problemen wie Wohnungsnot und hohen Energiekosten. Bereits heute werden Maßnahmen erwartet, die mehr finanziellen Spielraum schaffen sollen.

Privatleben: Verheiratet und Everton-Anhänger

In Westminster kennt sich Burnham bestens aus. In den 2000er-Jahren war er im Kabinett von Premierminister Gordon Brown unter anderem Gesundheitsminister. Zwischen 2010 und 2015 versuchte er zweimal vergeblich, an die Spitze der Labour-Partei gewählt zu werden. Seine Ernennung am Freitag erfolgte ohne Gegenkandidaten.

Die BBC stellte kürzlich die Frage „Wer ist Andy Burnham?“ und diskutierte auch die Bezeichnung „rücksichtsloser Strippenzieher“. Dabei wird sowohl der Sturz von Starmer thematisiert, zu dem Burnham selbst erheblich beigetragen hat, als auch Berichte, wonach er entgegen der bisherigen Labour-Politik neue Öl- und Gasbohrungen in der Nordsee genehmigen könnte.

Seit 2000 ist Burnham mit Marie-France van Heel verheiratet, die er bereits aus Studienzeiten kennt. Das Paar hat drei Kinder. Seine Verbundenheit zum FC Everton, einem in Deutschland weniger bekannten Fußballverein aus Liverpool, erwähnte er sogar in seiner Rede als Labour-Chef. Er hofft, seine Nähe zu den Menschen auch in der kommenden Saison mit einer Dauerkarte zu belegen.

Burnham wuchs gemeinsam mit zwei Brüdern im ruhigen Dorf Culcheth zwischen Manchester und Liverpool auf. Seine Eltern, beide berufstätig, waren dem Vernehmen nach überzeugte Labour-Anhänger. In einem Interview mit der Zeitung „The Times“ sprach Burnham kürzlich über die Alzheimer-Erkrankung seines Vaters, der deshalb den politischen Aufstieg seines Sohnes nicht vollständig miterleben kann.