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AGB? BGB? — ABC!

Nach der Hochschulzeit planst du eine Karriere in der Kanzlei? Klasse! Doch was gibt es beim Einstieg zu beachten. Hier ein schneller Ritt durchs Kanzlei-Alphabet.

wie Anfang

Die Entscheidung ist gefallen. Du möchtest deine berufliche Zukunft in einer Kanzlei planen. Doch wie findest du den richtigen Arbeitgeber bei einem so großen Angebot? Neben den gängigen Karriereportalen gibt es auch Netzwerke, die sich auf Juristen fokussieren: unter anderem azur-online.de oder auch legalhead.de. Auch die Bundesrechtsanwaltskammer veröffentlicht auf ihrer Website viele Stellenangebote aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Dort kannst du auch selbst ein Gesuch veröffentlichen und dich Kanzleien anbieten.

wie Bewerbung

Ist die Kanzlei deiner Wahl endlich aufgetaucht, brennt die nächste Frage: Was kommt im Anschreiben gut an? Natürlich hinterlassen einschlägige Referendariate oder Praktika einen guten Eindruck, für viele Kanzleien sind Praxiserfahrungen allerdings keine Pflicht. Bei fachspezifischen Kanzleien sind theoretische Vorkenntnisse zum Rechtsgebiet – bspw. durch Schwerpunkte im Studium – äußerst hilfreich. Hingegen immer vorausgesetzt: Hervorragende Englischkenntnisse. Klingt basic, sollte aber in deinem Anschreiben durchaus Erwähnung finden.

wie Fähigkeiten

Klar, die juristischen Kenntnisse aus dem Studium sind natürlich Pflicht. Es kommt aber auch darauf an, diese gut vermitteln zu können. Guter Umgang in Sprache und Schrift ist also ein wichtiger Soft Skill. Auch krisenfest solltest du sein und im Kanzleialltag mit Druck und hoher Verantwortung umgehen können.

G wie Gründen

Wir haben bei Dr. Geertje Tutschka, Juristin und Ausbilderin im Legal Coaching gefragt: Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Gründung einer eigenen Kanzlei? »Grundsätzlich braucht es formal heute immer noch nur die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Und tatsächlich machen sich auch viele Kollegen unmittelbar mit den Examina in der Tasche selbstständig. Meine Erfahrung aus der Praxis ist jedoch, dass diese dann oft schon sehr fokussiert während Studium und Referendariat Berufspraxis in Kanzleien gesammelt haben.«

wie Künstliche Intelligenz

Schon vor ChatGPT war das Thema KI in Kanzleien ein viel diskutiertes Thema. Die Frage stellt sich: Wieviel Arbeit darf eigentlich von Legal Tech Diensten übernommen werden? Jörg Tepper, Fachanwalt für Arbeitsrecht von der Kanzlei Chevalier Rechtsanwälte meint: »Der Einsatz von Programmen wie ChatGPT steht erst am Anfang, aber sie bieten ein enormes Potenzial zur Verbesserung der Effizienz und Genauigkeit bei der Ausübung des Rechts. Es bleibt abzuwarten, wie weit diese Technologie gehen wird, aber eines ist sicher: KI ist hier, um zu bleiben.«

M wie Mittelstand, Großkanzlei oder Boutique

Welche Kanzleigröße darf's denn sein? Großkanzleien haben den Vorteil eines besonders großen Netzwerkes und des oft hohen Einstiegsgehalts. Allerdings ist auch die Arbeitsbelastung äußerst hoch. Hast du Lust auf kleinere Teams, die an einem Strang ziehen, ist der Mittelstand eher etwas für dich. Auch der Kontakt zum Mandanten ist dort direkter. Hier sammelst du hingegen nicht so viele Netzwerk-Erfahrungen wie in der Großkanzlei. Boutique-Kanzleien sind sehr spezialisiert und zeichnen sich durch hohe Expertise auf einem bestimmten Rechtsgebiet aus. Brennst du für ein Thema, kannst du deine Leidenschaft hier natürlich ausleben, andererseits kann die Arbeit auch eintönig werden. Auch eine internationale Ausrichtung ist bei der Boutique seltener als in der Großkanzlei oder im Mittelstand.

W wie Work-Life-Balance

»Es gibt kaum einen Beruf, der so flexibel ist wie die Anwaltstätigkeit. Das hat sich durch die positiven Erfahrungen mit dem Homeoffice noch verstärkt. Aber machen wir uns nichts vor: Unser Beruf ist fordernd. Wir beraten Mandant*innen häufig in absoluten Ausnahme- oder Krisensituationen. Das bringt auch lange Tage mit sich und das eine oder andere Telefonat zur Unzeit. Work-Life-Balance ist es dann, sich in dem fordernden Umfeld die notwendigen Freiräume zu schaffen, um abzuschalten und durchzuatmen.« Dr. Christoph Nolden, Rechtsanwalt bei SZA Schilling, Zutt & Anschütz

wie Spezialisierung

Die Welt der Kanzleien ist eine bunte. Dabei gibt es eine große Zahl an Spezialisierungen, in denen du deine Karriere planen kannst. Wie wäre es zum Beispiel mit Agrarrecht? Hier wirst du zum Interessenvertreter von Landwirten, hast aber auch viel mit Tier- und Naturschutz zu tun. Logischerweise sind Agrarrecht-Kanzleien oft im ländlichen Raum angesiedelt. Ein anderes Fachgebiet ist das Urheberrecht. Mittlerweile werden sekündlich neue Bilder und Videos ins Netz gestellt – manche davon verletzen persönliche Rechte. Gegen diese vorzugehen, ist hier dein Fachgebiet. Eine dritte Nische gefällig? Versuch es doch vielleicht mit Erbrecht. In dieser Spezialisierung kümmerst du dich um die Auseinandersetzungen von Erbgemeinschaften, Durchsetzung oder Abwehr von Pflichtteilsansprüchen oder berätst bei Testamenten. Vielleicht schreckt dich die Einschränkung in Fachbereiche etwas ab. Allerdings kannst du bei Spezialisierungen schneller Experte für dein Fach werden und zielgerichteter aufsteigen.

Z wie »Zieh weiter!«

Hast du dich für deinen Karrierestart in der Kanzlei entschieden, ist das natürlich nicht in Stein gemeißelt. Eine attraktive Option ist zum Beispiel der Wechsel in ein Unternehmen. Für viele ist der Sprung ins In-House-Geschäft besonders reizvoll. Hier konzentrierst du dich nur auf einen einzigen Mandanten und hast außerdem Chancen, im Konzern aufzusteigen. Viele Unternehmen sind auf der Suche nach Juristen mit Berufserfahrung in der Kanzlei. Es lohnt sich also, stets die Augen offenzuhalten.


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